Sonntag, 24. Januar 2016

[Rezension] Limit (Frank Schätzing)

Mit "Limit" legte Frank Schätzing, Autor des bekannten Bestsellers "Der Schwarm", 2009 einen weiteren dicken Brocken vor. Ganze 1320 Seiten umfasst das in naher Zukunft spielende Science-Fiction-Werk, wovon alleine sieben schon auf die Liste der Dramatis Personae entfallen. Aber dass Schätzing ein Freund der dicken Schmöker ist, sieht man ja auch an seinen anderen Werken. Kann "Limit" trotz oder gerade durch seinen gewaltigen Umfang überzeugen?


Nun, gleich vorweg: Das Buch ist gut. Je nach Standpunkt vielleicht sogar sehr gut. Aber trotzdem fragt man sich, warum es unbedingt über 1300 Seiten sein mussten. Die Handlung ist eigentlich gar nicht einmal so kompliziert, und außerordentlich viele Handlungsstränge gibt es auch nicht: Im Grunde dreht sich die komplette Geschichte einmal um den (Cyber-)Detektiv Owen Jericho, der im Jahre 2025 in seiner Wahlheimat Shanghai der untergetauchten Dissidentin Yoyo nachspürt, welche im Besitz eines Geheimnisses ist, das hochbrisante Sprengkraft besitzt. Zum anderen folgt der Leser einer Gruppe der reichsten Menschen der Welt, die auf Einladung des Wirtschaftsgenies Julian Orley eine Reise zu dessen Mondhotel unternehmen und dort eine verhängnisvolle Entdeckung machen.

Wie auch bei seinem jüngsten Werk "Breaking News" kann man nur staunen, welche Recherchearbeit Schätzing in seinen Roman einfließen lässt. Nicht nur die technologischen Hintergründe rund um das Element Helium-3 und dessen Abbau auf dem Mond, um das sich ein großer Teil der Story dreht, sind sehr glaubwürdig und vor allem leicht nachvollziehbar erläutert. Auch hier auf der Erde kennt sich Schätzing bestens aus, egal ob es sich um Beschreibungen von Orten rund um die Welt oder um historische und politische Ereignisse handelt: Stets wird alles bis ins kleinste Detail beschrieben. Zum einen ist das natürlich oft sehr informativ und interessant, da Schätzing so eine sehr real wirkende Zukunftsvision erschafft und den Leser tief in die Hintergründe mit einzieht. Andererseits ist dies aber leider auch ein Grund dafür, warum die Handlung hier und da mal nur schleppend vorankommt und der Leser mehrere Seiten lang alles über die politischen Umbrüche in Afrika erfährt, während er eigentlich nur wissen will, wie es nun mit den Protagonisten weiter geht. Hier hätte man sicherlich die eine oder andere Passage ohne Probleme streichen oder zumindest komprimieren können, um den Lesefluss zu verbessern.

Davon abgesehen liest sich der Roman aber trotz seines Umfangs überraschend flüssig und bleibt größtenteils spannend bis zum Ende, während der Leser Jericho und seinen Mitstreitern dabei folgt, die hübsche Yoyo zu finden und ihr Geheimnis zu entschlüsseln, das sie und ihn später noch in große Gefahr bringen wird. Ein bisschen gestört hat mich nur, dass Schätzing, gerade zum Ende hin, immer mehr zur Überdramatisierung neigt. So gibt es später sehr häufig Szenen, in denen ausgerechnet immer das Schlimmste oder Unwahrscheinlichste passiert, die Leute tun immer genau das, was sie nicht tun sollten, weil der Leser genau weiß, dass es zum Unglück führen wird, etc. Dabei kommt man nicht umhin zu denken, dass Schätzing vielleicht eine Verfilmung vor Augen hatte beim Schreiben und diese "Hollywood-Momente" ganz bewusst eingebaut hat.

So muss man zwar an ein paar Stellen den Kopf schütteln ob des "Zufalls" mancher Ereignisse, gerade auch bei der allerletzten unerwarteten Wendung, die dann doch etwas gezwungen wirkt, aber insgesamt weiß der Roman definitiv zu unterhalten, und lernen tut man auch noch so einiges. Daher 4 von 5 Punkten und eine Leseempfehlung an all diejenigen, die intelligente Technothriller mögen und auch vor über tausend Seiten nicht zurückschrecken.



Titel: Limit
Autor: Frank Schätzing
Verlag: Fischer (2011, Erstauflage 2009)
Format: Taschenbuch, 1312 Seiten
ISBN: 978-3-596-18488-0
Preis: €9,99
Link zum Verlag: http://www.fischerverlage.de/buch/limit/9783596184880

1 Kommentar:

  1. Treffende Rezension! Das Buch war mir insgesamt leider zu aufgebläht. Aber du hast Recht - es ist trotzdem lesenswert.

    Viele Grüße, Christian

    AntwortenLöschen