Montag, 24. August 2015

[Rezension] Drachenmahr (Robert Corvus)

Einst zwang die Glasbläserin Josefa einen mächtigen Drachen unter ihre Herrschaft und bewahrte so die Stadt Koda vor der Vernichtung. Seitdem sind Jahrzehnte vergangen und noch immer halten starke Ketten das Monstrum in der Kathedrale. Das Leidende Land schottet die Stadt von der Außenwelt ab, Geister von Tausenden Erschlagener streifen auf der Suche nach Lebenden um ihre Mauern. Niemand entkommt den Albträumen, die die Kinder des Drachen säen. Als die junge Zarria aufsteigt, wird sie zur Figur im Lügen- und Intrigenspiel der Patrizier. Doch Zarria vertraut nicht auf Schmeicheleien, sondern auf ihren Verstand, und so erkundet sie die dunklen Geheimnisse der Stadt, die zu Füßen des Drachen liegt ... (Klappentext)


Die Inhaltsbeschreibung klingt eigentlich ziemlich spannend – Drachen, Geister, Intrigen und Geheimnisse – Robert Corvus (ein Pseudonym des Autors Bernd Robker, der u. a. auch schon Romane zu Battletech und Das Schwarze Auge veröffentlicht hat) macht in seinem neuen Roman ein ganz großes Fass auf, doch kann das Buch auch halten, was es verspricht?

Eines vorweg: "Drachenmahr" ist ein netter und kurzweiliger Roman mit ein paar schönen Ideen, den Fantasy-Fans sicher nicht schlecht finden werden. Ich hatte ihn auch recht schnell durch, aber sowohl während als auch nach dem Lesen taten sich ein paar Ecken und Kanten auf, die das Lesevergnügen etwas trübten. Zur Geschichte selbst verrät der Klappentext ja schon genug, weshalb ich hier nur auf meine Kritikpunkte eingehen möchte.
Hauptcharakter ist die junge Frau Zarria, welche die Handlung in der Ich-Perspektive erzählt. Hierbei liegt leider auch eine Schwachstelle des Schreibstils: Stets klärt Zarria den Leser über all ihre Gedanken und Beweggründe für alle ihre Aktionen auf, was in vielen Fällen etwas übertrieben und langweilig wirkt, da uns so alles quasi vorgekaut wird und er kaum noch selbst nachdenken muss - zudem wird Zarria damit ein offenes Buch für den Leser, der nichts mehr an ihrem Charakter interpretieren und sich selbst ein eigenes Bild von ihr machen kann. Zum anderen stören diese Erklärungen oftmals auch den Handlungsfluss, wenn Zarria beispielsweise mitten in einem Kampf zwischen zwei Schlägen anfängt, über ihre Gedanken zu reflektieren. Aus ansonsten vielleicht spannenden Situationen wird somit ein zerrissener Flickenteppich von Handlungen und Gedankengängen. Zudem hat Zarria die nervige Angewohnheit, immer wieder Vorausdeutungen im Sinne von "Hätte ich zu diesem Zeitpunkt schon dies und das gewusst, hätte ich jenes getan" auszusprechen, die keinerlei Nutzen für den Leser haben und so zusätzlich den Erzählfluss stören und nichts zur Handlung beitragen.
Die Geschichte selbst ist recht schön erzählt, aber wird zum Ende hin zunehmend konfus, wenn plötzlich das Christentum Eingang in die ansonsten fantastische Welt findet, was leider später überhaupt nicht mehr kommentiert wird. Natürlich muss man dem Leser nicht alle Fragen beantworten, aber hier wäre dann doch etwas mehr Exposition schön gewesen, um zumindest eine Ahnung zu haben, was sich der Autor dabei gedacht hat. Hier wurde viel Potential verschenkt, der Handlung noch eine besondere Wendung zu geben. So aber bleibt man am Ende mit der Frage zurück, ob das Geschehen vielleicht in einer fiktiven Zukunft auf der Erde spielen soll oder ob der Autor nur eine christliche Heilsbotschaft in einem Fantasy-Roman verpacken wollte.

Von diesen Punkten abgesehen aber wie gesagt eine ganz nette Geschichte, die sich recht kurzweilig lesen lässt. Darüber hinaus aber nichts Besonderes, was sie von anderer Fantasy-Kost abheben würde, daher von mir 3 von 5 Punkten.



Titel: Drachenmahr
Autor: Robert Corvus
Verlag: Piper (2015)
Format: Kartoniert, 400 Seiten
ISBN: 978-3-492-28015-0
Preis: €12,99
Link zum Verlag: http://www.piper.de/buecher/drachenmahr-isbn-978-3-492-28015-0

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