Dienstag, 31. März 2015

[Rezension] Half the World (Joe Abercrombie)

Mit "Half the World" legt Joe Abercrombie, bekannt vor allem für seine "First Law"-Trilogie, den zweiten Teil der neuen "Shattered Sea"-Reihe vor, deren erster Teil "Half a King" die Fangemeinde doch ein wenig gespalten hat...



Abercrombie, der ja vor allem für kompromisslose Fantasy steht, in der er kein Blatt vor den Mund nimmt und wo es manchmal auch ordentlich rabiat zur Sache geht, wendet sich mit der "Shattered Sea"-Reihe einem eher etwas jüngeren Publikum zu, und so ist auch "Half the World" wieder ein wenig zahmer als seine vorigen Werke. Mord und Totschlag gibt es noch genug, aber es wird weniger blutig inszeniert und auch die Handlung ist eher einfach gestrickt im Vergleich zu den vielen Charakteren und Erzählebenen beispielsweise in der "First Law"-Trilogie. Ein bisschen hat mich das ja gestört bei "Half a King", aber ich muss sagen, dass "Half the World" alles wieder gut macht. Denn obwohl auch hier die Handlung wieder nur eingleisig ist, machen das rasante Erzähltempo und die spannende Story das ohne Probleme wett.

Interessanterweise wechselt Abercrombie im zweiten Teil die Hauptcharaktere, was doch eher ungewöhnlich ist für eine Trilogie. So folgen wir diesmal nicht mehr dem "halben König" Yarvi, sondern Thorn, einer jungen Frau, die eigentlich gerne Kriegerin werden möchte – was in der an die Wikinger und Nordmänner angelehnten Gesellschaft ihres Volkes jedoch nicht gerne gesehen ist. Das Schicksal verschlägt sie daher auch nicht auf den Beutezug ihrer Kriegerkameraden, sondern im Gefolge von Yarvi (inzwischen Hohepriester) auf eine gefährliche Reise, die entscheiden wird, ob sich Yarvis und Thorns Volk mit der halben Welt im Krieg wird messen müssen. Der erste Band der Reihe kann somit als Präludium für "Half the World" gesehen werden, und es ist sehr interessant, die Geschichte mit den Augen eines neuen Charakters weiter zu erleben, der dennoch mit den Figuren aus dem ersten Teil zusammen ist.

Die Geschichte selbst ist, wie bereits gesagt, spannend und rasant gehalten. Auf ihrer Reise rücken Thorn, Yarvi und die anderen Charaktere immer enger zusammen und erleben einige Abenteuer – das Setting erinnert dabei immer wieder an Wikingergeschichten (und nicht zuletzt an die TV-Serie "Vikings"), wenn Thorn und die anderen mit ihrem Drachenboot die Flüsse befahren und im Kampf Schildwälle errichten. Ob Zufall oder kalkuliertes Anknüpfen an den aktuellen Wikinger-Hype – das Experiment gelingt jedenfalls voll und ganz, denn solche rauen und unwirtlichen Settings sind genau die Stärke von Abercrombie. Seine Welt kommt ohne viel Magie aus, dennoch gibt es immer wieder mystische Anspielungen und geheimnisvolle Charaktere und Dinge. Der Fokus liegt aber klar auf den weltlichen Bedrohungen, die die Helden im Laufe der Story überstehen müssen und an denen sie wachsen und sich entwickeln.

Mir hat "Half the World" richtig gut gefallen. Die neue Reihe ist anders als Abercrombies bisherige Werke, aber schlecht ist das nicht unbedingt. Wo "Half a King" mich noch nicht so ganz von der neuen Richtung überzeugen konnte (obwohl es auch ein gutes Buch war), da schafft "Half the World" den Sprung und bietet wieder ordentlich Abercrombie – anders als vorher, aber trotzdem gut!

Wer den ersten Teil mochte, sollte hier auf jeden Fall zugreifen. Genauso alle Fans von Wikinger-Action und schnörkelloser, bodenständiger Fantasy.



Titel: Half the World
Reihe: Shattered Sea #2
Autor: Joe Abercrombie
Verlag: Harper Voyager (2015)
Format: Hardcover, 496 Seiten
ISBN: 9780007550234
Preis: £12.99
Link zum Verlag: http://www.harpercollins.co.uk/9780007550234/half-the-world

1 Kommentar:

  1. Freut mich, dass es dir sogar noch besser gefallen hat als der Vorgänger! Immer schön wenn sich Autoren mit ihren Reihen noch steigern können. Ich denke aber, dass ich es nicht weiterverfolgen werde. Dafür hat mich Buch 1 einfach zu wenig begeistern können :/

    Liebe Grüße,
    Tina

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