Mittwoch, 22. Juli 2015

[Rezension] Die Zwerge (Markus Heitz)

Jeder kennt sie, die kleinen, kampferprobten, bärtigen Gesellen, die gerne unter der Erde oder in Bergen hausen - die Rede ist natürlich von den Zwergen, wie sie schon in Tolkiens "Herr der Ringe" vorkommen. Bei Markus Heitz bekommen die untersetzten Bartträger nun ihren ganz eigenen Auftritt. Mit seiner Reihe um "Die Zwerge" gelang Heitz der große Wurf, die Bücher wurden zu Bestsellern und sind sicher jedem Fantasy-Fan schon mal in der Buchhandlung in die Hände gefallen. Aber ist das nur Hype, oder kann die Reihe wirklich überzeugen?



Ich muss mal wieder vorweg schicken, dass ich Standard-High-Fantasy nicht besonders mag. Entsprechend vorbelastet war ich auch, was "Die Zwerge" anging, denn mir war schon vorher klar, dass es sich hier um Standardkost handeln würde. Dennoch wollte ich der Reihe ob ihres Bekanntheitsgrades doch mal eine Chance geben. Leider hat sich die Vorahnung dann auch bewahrheitet. Aber zuerst kurz zum Inhalt, denn dieser ist auch schnell erzählt:

Der Zwerg Tungdil Bolofar wächst als "Findelkind" unter der Obhut des Magiers Lot-Ionan fernab von seiner Sippe bei den Menschen im Geborgenen Land auf. Alles, was er über sein Volk weiß, hat er aus Büchern - umso erstaunter ist er dann auch, als er plötzlich Anwärter auf den Thron des Großkönigs der Zwergenstämme werden soll. Und damit nicht genug, während sich Tungdil zu seinen Verwandten aufmacht, bereitet sich das Böse vor, ins Geborgene Land einzufallen und das Gute zu vernichten. Ein großes und gefährliches Abenteuer steht Tungdil und seinen Gefährten bevor, wenn er das verhindern will.

Man merkt es schon an dieser kurzen Beschreibung - Heitz zieht hier alle Register des Fantasy-Genres, um ein episches Werk rund um die bärtigen Axtschwinger zu schaffen. Und hier liegt meiner Meinung nach auch die große Schwäche des Buchs: Es trieft geradezu vor Klischees (böser mächtiger Erzmagier; fiese Orkhorden; Elben, die Zwerge nicht ausstehen können usw.), zudem gliedern sich die Pro- und Antagonisten fest in ein schwarz-weißes Muster ein, die Guten sind eben deshalb gut, weil sie gut sind, und ebenso geht es den Bösen. Zwerge mögen keine Elben, weil sie so von ihrem Gott erschaffen wurden ... die Helden kämpfen sich wacker durch Horden von Orks und fürchten sich teilweise nicht wirklich vor ihnen, aber auch das nur, weil Zwerge im Kampf eben einfach "besser" sind, und nicht weil sie schlauer vorgehen oder sonst einen Grund dazu hätten.
Ein weiterer Wermutstropfen war Heitz' Schreibstil, der mir in seinen anderen Werken bisher nicht so negativ aufgefallen ist. Die Sprache ist ziemlich einfach und oft auch einfallslos, die Charaktere werden vom Erzähler beschrieben, anstatt ihre Handlungen sprechen zu lassen, wobei sie meist recht flach wirken und nicht viel Entwicklung durchmachen. Und was mich immer wieder gestört hat: Heitz wirft am laufenden Band mit exakten Entfernungsangaben um sich, was immer wieder sehr unrealistisch wirkt. Tungdil weiß genau, wie viele hundert Meilen Ort x von Ort y entfernt ist, wie hoch die verschiedenen Berge und wie groß alle möglichen Zimmer und Räume sind. Das wirkt viel zu modern gedacht, denn so genaue Karten haben die Bewohner des Geborgenen Lands sicher nicht.

Ich will das Buch nicht unbedingt schlecht reden - es ist wie gesagt einfach Fantasy-Standardkost und liest sich auch sehr flüssig und einfach. Es ist also ein sehr "gefälliges" Buch für Freunde von Mainstream-Fantasy, und hier macht es auch nicht viel falsch. Wer aber anspruchsvolle Kost und/oder eine ausgefallene Story oder Charaktere erwartet, der wird hier sicher eher enttäuscht sein und sollte lieber zu anderen Autoren wie z.B. Joe Abercrombie greifen. Daher von mir 3 Punkte - für Fans empfehlenswert und eine nette Lektüre für zwischendurch, aber nichts Besonderes.



Titel: Die Zwerge
Autor: Markus Heitz
Verlag: Piper (2014, Erstausgabe 2003)
Format: Taschenbuch, 636 Seiten
ISBN: 978-3-492-70076-4
Preis: €15,99
Link zum Verlag: http://www.piper.de/buecher/der-triumph-der-zwerge-isbn-978-3-492-70351-2

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