Dienstag, 24. März 2015

[Bericht] Lesung mit Patrick Rothfuss

Rothfuss-Fans werden es sicher mitbekommen haben: Die letzten Wochen war Pat zum ersten Mal (glaube ich zumindest) hier bei uns in Deutschland auf Tour. In erster Linie für die Leipziger Buchmesse, aber er hat auch noch einige wenige andere Lesungen gegeben.

Auf seinem Blog hatte er das aber erst recht spät bekannt gegeben, vor einiger zeit fiel ich daher fast aus allen Wolken, als ich, nichts Böses ahnend, in meiner Stammbuchhandlung folgendes Plakat entdeckte:


Entsprechend aus dem Häuschen war ich, denn einer meiner Lieblingsautoren würde nicht nur unverhofft nach Deutschland kommen, sondern sogar hier in unser kleines Städtchen und dann sogar noch in meine Lieblingsbuchhandlung. Konnte das wahr sein? Natürlich nicht, wie sich später herausstellen sollte. Denn Pat musste aus persönlichen Gründen diesen Termin absagen. Aber da ich mich nicht von so etwas Trivialem wie Pech aufhalten lasse, beschloss ich dann kurzerhand, zur nächstbesten Lesung zu fahren, welche in Reutlingen stattfinden sollte. Der Anfahrtsweg verlängerte sich damit zwar von knapp 10 Minuten auf fast 2 Stunden, aber da Pat selbst schrieb, dass es für die nächsten Jahre wohl seine erste und letzte Deutschlandreise sein würde, war die Sache ziemlich klar.

Gesagt, getan. Nach ziemlich anstrengender Fahrt auf verstopften Autobahnen und einem unfreiwilligen Umweg durch die Fußgängerzone von Reutlingen (danke, Google Maps!) schlug ich dann auch absolut pünktlich um 20.00 Uhr in der Stadthalle auf und kam genau rechtzeitig zum Beginn der Lesung. Der doch recht große Saal war komplett ausverkauft – schätzungsweise 400 Fans hatten ihren Weg nach Reutlingen gefunden. Da es neben Reutlingen (und Leipzig) nur noch Lesungen in Berlin und Köln gab, sind die Leute wohl teilweise noch weiter gefahren als ich, was auch erklärt, warum die Veranstaltung recht schnell ausverkauft war.

Nach einer kurzen Einleitung des Moderators/Übersetzers (auf den ich später noch zu sprechen komme) ging es dann los. Die "Lesung" war eigentlich mehr ein Interview. Der Moderator lieferte Pat die Stichworte, worauf dieser einige interessante und lustige Geschichten erzählte. Ich gehe hier nicht ins Detail, denn wer interessiert ist, kann sich die aufgezeichnete Lesung direkt anschauen, Link gibt es am Ende des Posts. Dann las er selbst auf Englisch ein paar wenige Seiten aus seiner Novelle "The Slow Regard of Silent Things" (mein Review dazu findet ihr hier). Man muss dazu sagen, dass Pat eine wunderbar tiefe und angenehme Baritonstimme hat. Ihm zuzuhören ist einfach klasse, er könnte glatt Sprecher für Radio/Fernsehen sein. Auch als Entertainer wäre er nicht fehl am Platze, denn er redete zwar nicht allzu viel, dafür aber immer wohlüberlegt, wobei er immer wieder spaßige Pointen brachte.
Später gab es dann noch einen ausführlicheren Vorlese-Teil auf Deutsch, diesmal aber gelesen von einer deutschen Dame. 


Am Ende gab es dann Gelegenheit für Fragen an Pat, zuerst von der Webseite Lovelybooks.de, welche die Lesung auch live ins Internet übertrug. Dann kam das Publikum vor Ort an die Reihe. Pat erzählte viel zu seinem neuen Buch und anderen Dingen (z.B. kam natürlich aktuell die Rede auch auf Terray Pratchetts viel zu frühen Tod ...), lustigerweise wurde jedoch kein einziges Mal gefragt, wann denn nun Band 3 der Kingkiller-Reihe erscheinen würde – als wäre das Publikum im Vorfeld gewarnt worden ;-)
Ein Wermutstropfen war der bereits erwähnte Moderator/Übersetzer. Wie es beim Orchester so schön heißt: Mit Dirigent ist sicherer, ohne aber schöner. So war es dann auch bei der Lesung. Natürlich brauchte es einen Übersetzer, denn nicht jeder versteht das Englische ohne Probleme. Aber der hierfür ausgewählte Übersetzer machte immer wieder Fehler, ließ Teile weg (oder erfand stellenweise sogar welche) und passte manchmal einfach nicht auf, was Pat sagte, so dass er er ihn direkt bitten musste, es zu wiederholen. Ziemlich unprofessionell, aber Pat überspielte das gekonnt, wie er auch sonst die Übersetzung immer wieder spielerisch einbaute.

Nach der eigentlichen Lesung gab es dann Gelegenheit, alles Mögliche signiert zu bekommen. Dazu wurde eine Schlange gebildet (wie auf der Titanic - Mütter und Kinder zuerst, war die Devise!), die aus dem Saal hinaus reichte. Ich war glücklicherweise ziemlich weit vorne, aber die Leute weiter hinten durften sicher noch die eine oder andere Stunde warten. Pat versprach aber, dass er bleiben würde, bis alles signiert sei. Der Abend war für ihn also vermutlich noch ganz schön lange ...
Als ich dann an der Reihe war, plauderte ich ein bisschen mit Pat (der erst mal aus dem Konzept kam, weil er nicht nur "von Patrick", sondern auch "für Patrick" schreiben musste), während er meine drei Bücher signierte. Als "Trost" dafür, dass er es nicht nach Heidelberg geschafft hatte, hatte ich ihm auch eine kleine traditionelle lokale Süßigkeit mitgebracht. Er hat sich total darüber gefreut und mir als Dank sogar einen seiner limitierten Ansteck-Pins geschenkt (in Form einer "Talent Pipe", wie sie herausragende Künstler im "Eolian" bekommen, so ja auch Kvothe in "The Name of the Wind"). Ein schönes Andenken an eine schöne Lesung!


Danach ging es für mich dann wieder an die Heimreise, während Pat sicher noch bis spät in die Nacht signierte und später auch noch für Fotos und Gespräche zur Verfügung stand.

Insgesamt trotz der langen Anreise ein gelungener Abend – Pat ist wirklich ein netter und unterhaltsamer Autor, der seinen Fans noch sehr nahe steht und für alle Späße zu haben ist. War wirklich schön, ihn einmal persönlich getroffen zu haben.

Wer sich für die Lesung interessiert, kann den aufgezeichneten Live-Stream hier bei Lovelybooks anschauen – es lohnt sich!
http://www.lovelybooks.de/lesung/patrick-rothfuss/

Kommentare:

  1. Das klingt doch nach einer sehr gelungenen Lesung! Schön, dass du es dann immerhin noch nach Reutlingen geschafft hast. :)

    Irgendwie habe ich bei all' den Beiträgen zur Rothfuss-Lesung öfter mitbekommen, dass die Übersetzer nicht so gut waren. Ich meine, wäre das nur in einem Ort so gewesen, dann wäre es ja irgendwie verständlich, da hätte dann halt ein Übersetzer weiche Knie bekommen oder war zu aufgeregt. Aber bei fast jeder Lesung? Das ist doch irgendwie komisch. Vielleicht hätten die mal professionelle Leute dafür einstellen sollen.

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  2. Ah wie schön, dass es bei dir auch geklappt hat! Ich bin mehr oder minder Hals über Kopf nach Leipzig aufgebrochen. Diese Chance konnte ich mir nicht entgehen lassen! Die Übersetzerin in der Peterskirche war deutlich besser! Ich hab den Stream gesehen und fand das wenig überzeugend. Aber gut, einen so wichtigen Gast haben sie in Reutlingen wahrscheinlich auch nicht allzu oft da^^

    Total toll, dass du ein Geschenk für ihn hattest und selbst noch eines bekommen hast! Da bin ich total neidisch^^ Sieht sehr cool aus!

    Liebe Grüße,
    Tina

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  3. Bei mir würde es nach Reutlingen, glaube ich, nicht einmal zwei Stunden dauern, aber ich weiß nicht, ob ich es geschafft hätte, meine Eltern dazu zu überreden :D

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  4. @Tina und BücherFähe: Wenn ich das richtig mitbekommen habe, war die Lesung sogar in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Amerikanischen Institut Reutlingen - die sollten eigentlich fähige(re) Leute haben für so was ;-)

    @Windsprite: Schade, wäre sicher auch für dich ein schönes Erlebnis gewesen - hätte dich auch mitgenommen, wenn es auf dem Weg gelegen hätte ;-)

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    1. Das wäre für meine Eltern natürlich noch schöner gewesen, wenn ich mit 'nem fremden Mann ins Auto steige xD

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    2. Auch wieder wahr :D
      Dann musst du zuschauen, dass du bis zum nächsten Mal ein eigenes Auto hast ;)

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    3. Auweia, na vielleicht war er so aufgeregt wegen dem Livestream? :P

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  5. Ha, wir mussten nur eine Stunde nach Reutlingen fahren, standen dafür aber ne Stunde an, um unsere Bücher signieren zu lassen. ;-D

    Hier mein Lesungsbericht: http://bluenaversum.blogspot.de/2015/03/lesungsbericht-patrick-rothfu-liest-aus.html

    LG
    Kathi

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