Mittwoch, 7. Januar 2015

[Rezension] Totentrickser (Jan Oldenburg)

Wenn ein Oberbösewicht gleich am Anfang der Geschichte stirbt, ist meistens etwas faul. Doch das ahnt die Heldengruppe um den Zwergenkrieger Stahlbart noch nicht, als sie einen finsteren Totenbeschwörer ins Jenseits befördert. Ihr Erzfeind luchst den Helden in seinen letzten Atemzügen das Versprechen ab, auf seine kleine Tochter Nenia aufzupassen und sie zu ihren nächsten Verwandten zu bringen. Das allerdings ist weitaus gefährlicher als angenommen: Nicht nur scheinen alle potenziellen Adoptiveltern ausgemachte Psychopathen zu sein, sie sterben den Helden auch noch regelmäßig vor der Nase weg. Und dann ist da noch die kleine Nenia, die selbst alles andere als harmlos ist …
So der Pressetext auf der Verlagsseite. Und das klingt doch eigentlich ziemlich vielversprechend, denn offenbar lässt Jan Oldenburg hier eine Persiflage auf das Fantasy-Genre los, und zwar "für alle Fans von Waler Moers", wie es auf dem Klappentext heißt. Aber gelingt dem Autor auch der schmale Gratwandel zwischen gelungener Satire und müdem Abklatsch?



Ich muss diese Frage leider verneinen – das Buch ist sicher nicht schlecht, aber mehr leider auch nicht. Und ob sich Moers-Fans so richtig dafür begeistern können, wage ich auch zu bezweifeln. Aber von Anfang an.

Wie der Inhaltsbeschreibung oben schon zu entnehmen ist, begleiten wir in Oldenburgs zweitem Fantasy-Roman eine Heldengruppe, wie sie im Buche steht: ein ruppiger Zwergenkrieger, der dem Alkohol nicht abgeneigt ist, eine schlaue Gnomenmagierin, ein grobschlächtiger Ogerbarbar und ein gewitzter Wichteldieb. Damit sind eigentlich schon mal alle Klischees in Sachen Abenteurergruppe bedient und es kann los gehen auf eine Hatz quer durch die "Fernen Länder", immer auf der Suche nach dem nächsten Verwandten der kleinen Nenia, wobei die Helden einige ganz schön merwürdige Dinge erleben und zwischenzeitlich sogar mal die Bekanntschaft von Aliens machen. Dabei gehen die Abenteurer nicht zimperlich vor, und nicht nur so mancher Widersacher muss bei der Aktion sein Leben lassen, sondern es gibt auch allerlei Kollateralschäden und "Unfälle", wodurch sich Nenias Verwandtschaft immer weiter dezimiert. 

So nett die Idee sein mag, für einen ganzen Roman taugt sie leider nicht besonders gut, denn Spannung kommt im Laufe der Handlung nicht wirklich auf, während die Heldentruppe einen Verwandten nach dem anderen abklappert (außer am Ende, als es noch mal einen überraschenden Twist gibt). Spannend muss eine Komödie ja auch nicht zwangsläufig sein, solange sie witzig ist. Doch auch da verspricht das Buch leider mehr, also es dann halten kann. Vielleicht ist es auch einfach nicht meine Art von Humor, obwohl ich eigentlich Parodien wie den "Rittern der Kokosnuss" einiges abgewinnen kann. Doch bei Oldenburg bleiben die Witze größtenteils flach und vorhersagbar – die Stellen, an denen ich wirklich schmunzeln musste, kann ich wohl an einer Hand abzählen. Der einfältige Barbarenoger zum Beispiel, der eigentlich nichts in der Birne hat, dann aber doch mal was unerwartet Schlaues sagt, ist zwar ein lustiger Einfall, aber als Running-Gag, wie es hier der Fall ist, taugt das sicher nicht; nach dem ersten Mal ist es einfach nicht mehr lustig. Auch ansonsten bleiben die großen Lacher aus, und das Witze-Repertoire erschöpft sich oftmals darin, moderne Erfindungen aus unserer heutigen Zeit in die Pseudomittelalterliche Fantasy-Welt der "Fernen Länder" zu übertragen, wie z.B. die Ausbeutung von Billiglohnländern, der Versandhandel oder das Tourismusgewerbe.

Insgesamt ist "Totentrickser" ein ganz nettes Buch für nebenher, das aber leider nicht über das Mittelmaß hinaus kommt, da ihm einfach das Besondere fehlt. Es ist ganz drollig geschrieben und ab und an mal recht witzig, aber weder die Story noch der Humor sind sonderlich erwähnenswert. Wer also auf Fantasy-Parodien steht, kann vielleicht mal einen Blick riskieren, es gibt aber sicherlich lustigere Alternativen – an die Bücher von Walter Moers z.B. reicht der Roman sicher nicht heran. Daher gibt es 3 von 5 Punkten von mir: Nicht schlecht, aber auch nichts Besonderes. Tut keinem weh, muss man aber auch nicht unbedingt gelesen haben.




Titel: Totentrickser
Autor: Jan Oldenburg
Verlag: Piper (2013)
Format: Klappenbroschur, 416 Seiten
ISBN: 978-3-492-70296-6
Preis: €14,99
Link zum Verlag: http://www.piper.de/buecher/totentrickser-isbn-978-3-492-70296-6

Kommentare:

  1. Ah da ist die Rezension ja auch schon :D Na hätte ich gestern noch ein paar Minuten gewartet hehe!

    Och, mir gefällt Jan Oldenburg eigentlich etwas besser als Moers (wenn man jetzt vom Labyrinth bzw. der Stadt der Träumenden Bücher ausgeht) was den Humor angeht. Wobei mir eben wie gesagt der Vorgänger von Oldenburg also "Fantastik AG" mehr zugesagt hat, vermutlich bin ich da gleich mit guter Stimmung ins nächste Buch eingestiegen :D

    Liest du eigentlich Terry Pratchett? Habe ich selbst schon ewig im Regal stehn und sollte endlich mal....

    Auf bessere Lektüre für dich :D
    Liebe Grüße

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  2. Schade, hatte gehofft mal wieder einen netten lockeren Fantasy-Roman gefunden zu haben. Ist also gut, dass du "vorgekostet" hast :)

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