Mittwoch, 28. Januar 2015

[Rezension] Pirate Latitudes (Michael Crichton)

Michael Crichton ist den meisten sicher (bewusst oder unbewusst) bekannt als der Autor von "Jurassic Park", dem Roman, der dem gleichnamigen Film als Vorlage diente. Wenige dürften hingegen wissen, dass es von ihm auch eine Piratenstory gibt - ich habe mich auch etwas gewundert, als mir das Buch im Laden in die Hände fiel. Ein Piratenabenteuer vom "Meister der Dinosaurier" also, kann das was werden?



Gleich vorweg muss erwähnt werden, dass "Pirate Latitudes" erst nach Crichtons (leider viel zu frühem) Tod veröffentlicht wurde. Und zwar ohne seine Zustimmung, denn der Roman wurde erst nach seinem Ableben auf seinem Computer gefunden. Ob Crichton ihn jemals veröffentlichen wollte, ist ungewiss - dazu später mehr.

Zunächst kurz zur Handlung. Diese dreht sich um den Freibeuter-Kapitän Charles Hunter, der in der Karibik des 17. Jahrhunderts auf Kaperfahrt gegen die Spanier geht. Im Verlauf der Handlung folgt der Leser Hunter bei der Zusammenstellung seiner Crew und dem Planen und Ausführen des Raubzugs, den viele als Himmelsfahrtskommando ansehen. Hunter erfüllt also bestens das Bild des wagemutigen Piraten (bzw. Freibeuter), welcher der Gefahr ins Gesicht lacht und sich für ordentliche Beute auch ins größte Risiko stürzt.

Der Roman ist damit eine Abenteuergeschichte der alten Schule - es gibt lediglich einen Erzählstrang, und dieser ist sehr geradlinig, denn er wird weder von inneren Monologen noch von Liebesgeschichten oder dergleichen unterbrochen. Es geht einzig und allein um die Abenteuer, die Hunter und seine Crew im Verlauf ihres einen Raubzugs erleben.

Das Setting ist hierbei ziemlich gut in Szene gesetzt, Crichton hat offensichtlich einiges an Recherchearbeit geleistet und schafft es wunderbar, die karibische Welt des 17. Jahrhunderts zu Lande und auf dem Meer zu beschreiben. Besonders die nautischen Fachbegriffe und die Schilderung der Schiffszenen sind sehr gut gelungen. Crichtons Schreibstil ist dabei nüchtern und direkt. Die Handlung wird meist Schlag auf Schlag geschildert, wobei die Beschreibungen von Orten, Personen, Gefühlen etc. sehr knapp ausfallen. Der Roman wirkt dadurch etwas minimalistisch und gehetzt - was nicht unbedingt schlecht sein muss - im Gegenteil, ich fand es dadurch sehr kurzweilig zu lesen. Aber angesichts der Umstände seiner Veröffentlichung ist dies vermutlich eher der Tatsache geschuldet, dass es sich um ein unfertiges bzw. nicht überarbeitetes Manuskript handelt.

Und das ist leider auch das große Problem des Romans. Man merkt leider viel zu oft, dass hier noch einiges fehlt, dass das Buch ungeschliffen ist und in seiner jetzigen Form vermutlich nie das Licht der Welt erblicken sollte. Am Anfang liest sich die Geschichte noch sehr schön und spannend, der Leser folgt Kapitän Hunter bei seinem Wagemutigen Unterfangen und fiebert mit ihm, wenn er gegen die Spanier zu Felde zieht. Doch später verliert sich dieses Moment, die Geschichte gerät immer mehr zu einer Aneinanderreihung von kurzen Episoden, die teilweise gekünstelt und manchmal auch sinnlos wirken - darunter der Kampf der Crew gegen einen Riesenkraken (ich dachte erst, das sei vielleicht ein Albtraum Hunters, aber nein, es passiert wirklich) oder der Angriff von eingeborenen Kannibalen.

Die Frage ist nun, wie man solch ein Buch bewerten soll. Am Anfang hat es mir wirklich gut gefallen, denn Crichton baut schön Stimmung auf und beschreibt die Seemanöver- und Kämpfe sehr realitätsgetreu. Die Handlung ist schnörkellos und lässt einen mit den Freibeutern auf ihrem gewagten Abenteuer mitfiebern. Doch nach etwa zwei Dritteln geht dem Roman die Luft aus und wie gesagt, es reihen sich nur noch episodenhafte Erlebnisse aneinander. Das Gefühl, dass es sich um einen ersten Rohbau handelt, der später noch ausgearbeitet werden sollte, wird zum Ende hin immer stärker.
Für Fans von Piratenstories, die vor allem auf Action Wert legen und keine vertrackte und vielschichtige Handlung erwarten, ist "Pirate Latitudes" allemal empfehlenswert. Fans von Crichton oder alle, die ein "rundes" und fertiges Buch mit Tiefgang erwarten, sollten vielleicht lieber die Finger davon lassen. Daher dreieinhalb Punkte von mir. Hat mir insgesamt eigentlich gut gefallen, aber die Mängel sind offensichtlich.



Titel: Pirate Latitudes (bisher nicht auf Deutsch erschienen)
Autor: Michael Crichton
Verlag: HarperCollins (2010)
Format: Mass Market Paperback, 312 Seiten
ISBN: 978-0-06-196770-2
Preis: ca. $7.99
Link zum Verlag: http://www.harpercollins.com/9780061929380/pirate-latitudes

1 Kommentar:

  1. Mich wundert es eigentlich nicht, dass Crichton sich auch an dieses Thema gewagt hat. Auch wenn er hauptsächlich durch Jurassic Park bekannt geworden ist, waren seine Themen doch immer sehr vielseitig. Und einen Ausflug in die Vergangenheit hat er mit Timeline ja auch schon gemacht. Warum also nicht auch Piraten?

    Mit deiner Rezension hast du mich auf jeden Fall neugierig gemacht. Mein Freund hat die deutsche Ausgabe in seinem SuB, die werde ich mir bei Gelegenheit wohl mal genauer anschauen.

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