Freitag, 2. Januar 2015

[Follow Friday] Notizen in Büchern?

Heute gibt's den ersten Follow Friday 2015 (wie immer präsentiert von A Bookshelf Full Of Sunshine)!

http://abookshelffullofsunshine.blogspot.de/2014/11/ff-deutscher-follow-friday-14november.html

Die Frage für heute lautet: Malt ihr in Büchern rum? Macht ihr euch Notizen mit Bleistift und klebt Notizzettel rein? Oder geht das für euch gar nicht?

Viele werden da sicher entsetzt aufschreien und rufen "Das geht doch mal gar nicht!", denn für sie sind Bücher kostbare Schätze, die auf keinen Fall beschädigt und/oder verunstaltet werden dürfen. Ich schließe mich da an, insofern dass auch für mich Bücher Schätze sind. Aber ich sehe sie eher als etwas "Lebendiges" an. Ich habe das in einem Kommentar auf einem anderen Blog schon mal ausgeführt und dort mit einer neuen Gitarre verglichen: Wenn man sie sich neu kauft, dann ist der Lack noch makellos und man fürchtet jeden kleinsten Kratzer, behandelt das Instrument wie seinen Augapfel. Doch irgendwann kommt dann doch mal die erste Schramme. Und dann die zweite. Und dann ist es auch schon nicht mehr so schlimm - ganz im Gegenteil: Die Gitarre wird langsam aber sicher von einem Ausstellungsstück zu etwas "Eigenem". Sie erzählt eine Geschichte, und zwar "unsere" Geschichte. Man weiß genau, diesen einen Kratzer bekam sie damals bei dem geilen Gig vor 5 Jahren, jene Beule stammt von der lustigen Geschichte, als man auf der Bühne mit dem Bassisten zusammengestoßen ist ... wir alle haben unsere Macken und Kratzer, und diese machen uns als Person aus, erzählen unsere Geschichte. Jeder kann eine fabrikneue Gitarre an der Wand hängen haben. Aber nur ich habe "meine", die mich auf meinen Lebensweg begleitet und dabei eben ein paar Kratzer abbekommen hat, genau wie ich.
Und warum sollte das mit Büchern anders sein? Wenn es sich nicht gerade um Sammlerexemplare handelt, die man später vielleicht mal verkaufen will, warum sollte man sie dann wie ein rohes Ei behandeln? Ist es nicht viel schöner, ein Buch zu haben, das nicht nur auf seinen Seiten eine Geschichte erzählt, sondern auch durch sein Äußeres? Das ich irgendwann mal meinen Kindern vererben und dann erzählen kann "Schaut mal, hier hat euer Opa damals was rein geschrieben, bevor er mir das Buch geschenkt hat, und da, wo das Papier ganz wellig ist, da ist mir das Buch runtergefallen, als ich im Urlaub, als ich eure Mutter kennenlernte, am Strand gelesen habe."
Natürlich ist das viel gesagt für so ein läppisches Softcover, was man vielleicht nur einmal liest und dann in den Schrank stellt. Aber es gibt ja auch andere Bücher, die man liebgewinnt und die einen lange begleiten. Auch wenn es eine ganz andere Kategorie ist, aber als ich für meine Promotion mit richtig alten Büchern arbeiten durfte, teilweise 500 Jahre alt oder sogar noch mehr, da ist mir erst richtig klar geworden, was für eine Geschichte Bücher auch abseits ihres Inhalts erzählen können. Und diese Bücher sind für uns heute oftmals nicht wegen ihres eigentlichen Inhalts wichtig, sondern genau aufgrund solcher Anmerkungen und Spuren von Lesern im Laufe der Zeit. Kommentare verraten uns viel über die Rezeptionsgeschichte, Eselsohren und Abnutzungserscheinungen zeigen uns genau, welche Inhalte damals für den Leser interessant waren. Was könnten wir aus einem perfekt erhaltenen Buch ohne jeden Makel schließen? Nichts. Ein Buch hat erst dann eine Geschichte, wenn es auch gelesen wird. Und das kann und soll man ihm auch ansehen, finde ich. Es gibt inzwischen schließlich einen ganzen Wissenschaftszweig, der sich mit der Untersuchung von alten Büchern beschäftigt, und wäre es nicht schade, wenn von der eigenen Bibliothek später mal überhaupt nichts übrig bleibt als ein Haufen druckfrischer Bücher?

Nachdem ich nun wieder so weit ausgeholt habe, muss ich die Frage von oben lustigerweise aber dennoch mit Nein beantworten: Ich schreibe selbst normal nicht in meine Bücher, aber eigentlich nur, weil ich nicht wüsste, was ich rein schreiben sollte ;-) Das hat nichts damit zu tun, dass das Buch nicht beschriftet werden dürfte. Ich selbst liebe z.B. Widmungen in meinen Büchern, um mich auch später noch zu erinnern, wann und von wem ich sie bekommen habe.

Wie sieht das bei euch aus? Habe ich mich nun unbeliebt gemacht bei euch oder seht ihr es ähnlich? ;-)

Kommentare:

  1. Hallöchen,
    Wow, da hast Du ja einen kleinen Roman geschrieben :D
    Aber ich gebe dir Recht, bei dem was du schreibst..klingt ja auch alles logisch. ;)
    Ich persönlich hasse es aber, wenn meine Bücher Eselsohren oder Leserillen haben - so sehen sie im Regal schöner aus, finde ich. Aber ich bin einfach nur pingelig in der Hinsicht ;)

    Liebe Grüße,
    Jessi

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    1. Naja, pingelig würde ich es nicht nennen, ist einfach nur eine andere Einstellung :)
      Aber wenn man so ein Taschenbuch erst mal 3 Mal gelesen hat, dann lassen sich Leserillen doch gar nicht mehr vermeiden - und außerdem vergilbt das Papier ja auch mit der Zeit, also egal wie gut man drauf aufpasst, irgendwann sieht es eh nicht mehr neu aus ^^

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  2. In der Schule lesen wir momentan ein Buch (Lord of The Flies) und unsere Lehrerin sagt uns immer, wir sollen die wichtigen Stellen markieren und uns darin Notizen machen. Ich glaube, ich bin die Einzige in der Klasse, die das nicht übers Herz bringt. :D
    Auch, wenn es dem Buch etwas Eigenes geben wird - wie du geschrieben hast -, mag ich es einfach mehr, wenn meine Bücher so unbenutzt aussehen wie möglich.

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    1. Na bei Schulbüchern ist das ja eh Gang und Gäbe, dass man rein schreibt (und vor allem auch malt). Meine Reclam-Heftchen von damals sind teils von oben bis unten vollgeschmiert ^^

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  3. Hey,

    gut...ich finde es bei UniBüchern manchmal mega praktisch wenn da schon was angestrichen ist, vor allem wenn ich merke...dass die Person vor mir schon ein ähnliches Thema hatte.

    Bei meinen Büchern sehe ich es nicht so gern...klar, ich beim lesen auch nie nett mit ihnen um und manche sind sogar von den Haustieren angefuttert wurden, aber reinschreiben ist dann sogar für mich ein Schritt zuviel xDD

    LG Denise

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    1. Blöd ist nur, wenn im Lehrbuch dann einfach alles angestrichen ist, solche Fälle hatte ich damals auch schon ^^

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  4. Wunderbar geschrieben. Ich muss zugeben, ich gehörte auch lange zur Fraktion der "Oh Gott NEIN, ein Buch muss unberührt bleiben!"-Leser, aber ich gehe da immer mehr von ab... Denn eigentlich kann ich dir da nur zustimmen!

    Allerdings schreibe ich immer noch nicht rein, weil mir das einfach zu umständlich ist! Ich habe ein kleines Diktiergerät griffbereit liegen, und da spreche ich alles rein, was ich später bei der Rezi nicht vergessen will, ganz kurz und knapp.

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    1. Wow, da bist du aber schon mal um einiges besser organisiert als ich - ich versuche mir einfach zu merken, was mir beim Lesen auffällt. Manchmal klappt es, manchmal nicht ;)

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    2. Mein Gedächtnis ist katastrophal, und ich merke, dass ich viel entspannter lese, wenn ich nicht dauernd denke: Das musst du dir UNBEDINGT merken für die Rezi! ;-)

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    3. Sollte ich vielleicht auch mal versuchen - ich bin inzwischen immerhin dazu übergegangen, mir die Seitenzahlen zu notieren, von denen ich später zitieren wollte, anstatt am Ende das ganze Buch noch mal zu durchforsten ^^

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  5. Hei :) Hier ein bisschen was zu lesen :D :
    Vielen Dank für dein Kommentar auf meinem Blog. Ich kenne das Gefühl, man nimmt sich sehr viel Bücher vor und dann zwingt man sich zum Lesen und es macht kein Spaß mehr. Mit den 100 Büchern habe ich mir schätzungsweise vorgenommen, wenn ich es nicht schaffe, wäre das selbstverständlich nicht schlimm.

    Zum Follow Friday: Ich würde soooo übertrieben gerne besondere Zitate in Büchern markieren, da ich ein richtiger Zitatfan bin. Allerdings weiß ich nicht wie meine Zukunft aussieht. Wenn ich mal das Buch verkaufen will, ist es ja wertlos :/ Deswegen mache ich bisher immer nur kleine post its rein, aber ich würde schon gerne markieren. Bisher habe ich mich noch nicht dazu überwinden können.

    Allerliebste Grüße und nachträglich noch ein frohes neues Jahr ♥
    Denise ♥

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  6. Ich bin meistens so faszineirte vom buch, dass ich nich dran denke. Aber ich hab mal bei ner Aktion von Literatwo mitgemacht, bei der das ausdrücklich erlaubt war. Das war spannend :-) ich hab viele Eindrücke reingeschrieben und Lacher markiert :-)

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