Sonntag, 30. November 2014

[Rezension] Das Hamlet-Komplott (Robert Löhr)

Mitten im Krieg zwischen Frankreich und Preußen versuchen sich Johann Wolfgang von Goethe und eine Handvoll Romantiker als Jäger des verlorenen Schatzes. Ihr Auftrag: die Krone des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation vor Napoleon I. in Sicherheit bringen. Doch die Spione des französischen Kaisers sind ihnen dicht auf den Fersen … Ein Dichter-Denker-Mantel-Degen-Roman, in dem nur Kugeln noch schneller fliegen als Zitate.
So heißt es im Klappentext von Robert Löhrs "Das Hamlet-Komplott". Und das klingt doch nach einer spaßigen Hatz quer durch die Literaturwelt der Romantik! Doch kann Löhr halten, was er hier verspricht?

http://www.piper.de/buecher/das-hamlet-komplott-isbn-978-3-492-95098-5

Wie schon beim "Erlkönig-Manöver" wirft Löhr beim Hamlet-Komplott (das übrigens nicht an das vorangehende Buch anknüpft, sondern für sich alleine steht, obwohl die Charaktere mitunter dieselben sind) eine ganze Reihe bekannter Persönlichkeiten ins Rennen, eine vermeintlich wichtige Rolle im von Frankreich besetzten Europa zu spielen. So sind diesmal Goethe, Kleist, (August) Schlegel, Stael und Tieck unterwegs, die Krone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation vor den Franzosen zu retten. Mit dieser Besetzung und vor diesem Setting erwartet man zu Recht eine unterhaltsame und auch intelligente Geschichte, jedoch gelingt es Löhr wie schon beim Erlkönig-Manöver nicht, das Potential auszuschöpfen. Wo letzteres Buch noch eine recht kurzweilige Unterhaltung bot, dümpelt das Hamlet-Komplott leider nur so vor sich hin. Die Charaktere wirken größtenteils sehr oberflächlich und hölzern und werden ihren realen Vorbildern nicht wirklich gerecht. Über weite Strecken des Buches wirken sie austauschbar, genauso gut hätte Löhr sich eigene Helden erschaffen können, einen Goethe oder Schlegel hätte es wahrlich nicht gebraucht, diese Rollen zu spielen. Löhr wartet mit ein paar interessanten Ideen auf, die jedoch allesamt zur Belanglosigkeit verkommen, da das Potential der Hauptakteure nie ausgeschöpft wird (man beachte z. B. den Versuch der Protagonisten, den Hamlet auf einer Wanderbühne aufzuführen - hier hätte man beileibe mehr herausholen können).

Die Handlung an sich bleibt leider ebenfalls hinter den Erwartungen zurück. Spannung kommt kaum auf, die meisten Wendungen sind vorhersagbar und bleiben konsequenzenlos. Anstatt einer wilden Hatz durch das besetzte Deutschland gleicht die Reise der Helden einer Kaffeefahrt und, wie Löhr Goethe an einer Stelle (leider nicht wirklich selbstironisch) klagen lässt ("Absurd, wie in einem Stück von Kotzebue treffen am Ende alle auf einmal ein."), wirkt das Stück von Anfang an viel zu gekünstelt und die Wendungen scheinen doch sehr erzwungen.
Alles in allem würde ich das Buch nicht weiter empfehlen. Für Freunde solcher Ideen bietet sich das Erlkönig-Manöver an, das zwar auch hinter den Erwartungen zurückbleibt und an den selben Schwächen kränkelt, im Vergleich zum Hamlet-Komplott aber weitaus kurzweiliger zu lesen ist. Mit Robert Löhr werde ich wohl nie mehr warm, in weiser Voraussicht habe ich mir das Buch auch nur als E-Book zugelegt. Löhr hat immer wieder tolle Ideen, er setzt sie aber konsequent nicht um und holt viel zu wenig aus ihnen heraus.



Titel: Das Hamlet-Kompott
Autor: Robert Löhr
Verlag: Piper (2011, Erstauflage 2010)
Format: E-Book, 368 Seiten
ISBN: 978-3-492-05327-3
Preis: €8,99
Link zum Verlag: http://www.piper.de/buecher/das-hamlet-komplott-isbn-978-3-492-95098-5

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