Montag, 13. Oktober 2014

Zu Besuch auf der Frankfurter Buchmesse 2014

Wieder zurück von der Buchmesse und viele, viele Eindrücke mit im Gepäck.
Ich habe es an insgesamt 2 Tagen auf die Messe geschafft, Mittwoch und Freitag, und dennoch nur einen Bruchteil des Programms und der Aussteller wirklich gesehen, aber das ist bei einer so großen Veranstaltung sicher nur normal.


Hier nun also ein paar kleine Eindrücke meines Besuchs ...

Zunächst mal ein herzliches "Dankeschön" an die Deutsche Bahn, die mehrfach ihr Bestes versucht hat, mich von der Messe fernzuhalten. 2 ausgefallene Züge an 2 Tagen, dazu Verspätungen und andauernde Änderungen im Fahrplan führten dazu, dass ich mich entweder am Bahnsteig langweilen oder wie ein Verrückter von Gleis zu Gleis hetzen und einmal sogar auf einen fahrenden Zug aufspringen (!) durfte. Am Mittwoch konnte man das sicher noch auf den Streik schieben, danach aber nicht mehr. Nun ja, das aber nur am Rande.

Dann also auf der Messe angekommen, und mein erster Eindruck: Bücher. Unzählige Bücher. So beschreibt man die Buchmesse wohl am besten. Ist ja auch logisch, bei einer "Buch"messe, oder? Jain, denn man hat zwar sicher eine Vorstellung davon, was einen auf so einer Veranstaltung erwartet, aber dann wirklich in dieses gewaltige Messeareal zu kommen und das Meer von Büchern zu sehen, das sich vor einem erstreckt, ist dann doch noch einmal etwas anderes. Ganz gut illustrieren kann das sicher der Stand des Verlags Droemer Knaur, der immer ein Blickfang ist und das Medium Buch zu neuen Höhen erhebt:


Hier hatte ein Praktikant/Azubi sicher viel Spaß beim Aufbau ...

An selbigem Stand traf ich dann am Mittwoch überraschend auch auf Altkanzler Helmut Kohl, der angeblich gerade von einem Treffen mit Henry Kissinger und dem Ex-US-Außenminister James Baker komme um die Wiederauflage seines Buches "Vom Mauerfall zur Wiedervereinigung" zu präsentieren. Der Ort der Präsentation ist denkbar ungünstig gewählt, denn der Stand hat nur einen kleinen Eingang, in dem sich auch schon sehr früh unzählige Schaulustige und Presseleute drängen, teilweise mit Stühlen und Leitern ausgestattet, um überhaupt etwas sehen zu können.
Und dann endlich erscheint Kohl, stark abgemagert, zittrig, im Rollstuhl sitzend, seine Frau an seiner Seite. Doch auf Worte des Politikers darf man erst einmal warten, denn zunächst spricht Verlagsleiter Übleis, und das nicht zu knapp. Eine lange Lobhudelei auf Kohl folgt, die vermutlich sogar für CDU-Anhänger etwas zu dick aufgetragen sein dürfte. Viele Entscheidungen habe Kohl in seiner Amtszeit treffen müssen, und jede einzelne davon habe er richtig entschieden. Nun ja.
Dann endlich wird Kohl das Mikro gereicht. Er ringt darum, die richtigen Worte zu finden, seine Sprachstörung behindert ihn sichtlich, und als er dann doch spricht, ist dies ein kaum verständliches Nuscheln. Nur wenige Sätze sind zu hören, die sich im Prinzip darauf beschränken: "Kauft mein Buch". Dann wird er wieder weggeschoben, Fragen sind nicht erlaubt, ebenso werden keine Bücher signiert.
Von Helmut Kohl kann man halten, was man will, aber dieser Auftritt war einfach nur peinlich und eines einst so wichtigen Mannes unwürdig. Es war richtig traurig zu sehen, wie dieser Mann offenbar nur noch vorgeführt wird, um Geld zu machen.


Aber zurück zu erfreulicheren Dingen. Ich fand schließlich meinen Weg in Halle 4, in der unter anderem viele Faksimile-Verlage ihre Stände hatten. Für mich als Historiker natürlich eine wahre Fundgrube, wo ich dann auch einige Zeit damit verbracht habe, mir die teilweise wunderschön handgemachten Faksimiles mittelalterlicher Handschriften anzuschauen. Nicht annähernd so wertvoll wie die Originale, kosten diese Werke dennoch mitunter tausende Euro (manche bis 20.000€ und mehr) - oft hat man solch ein Buch also nicht in der Hand, entsprechend schön war die Gelegenheit, hier einmal ausführlich darin blättern zu dürfen.
Solch ein Vollfaksimile, das eine komplette 1:1-Kopie der jeweiligen Handschrift ist, oft sogar mit den Löchern und Abnutzungsspuren, die das Original-Pergament/Papier enthält und die von Hand eingearbeitet werden müssen, ist natürlich der Traum eines jeden Bibliophilen, doch nur wenige können es sich leisten, diese streng limitierten Werke zu Hause im Buchregal zu haben. 
Ein besonderes Highlight war hier die Kreuzritterbibel, die auf echtem Pergament faksimiliert wurde (und für ca. 13.000€ zu haben ist, wer es sich leisten kann ...):


Aber es gab auch viele weitere schöne Faksimiles zu bestaunen, ein wahres Paradies für bibliophile Mediaevisten und hier nur ein kleiner Einblick in die ausgestellten Werke:



Ebenfalls in Halle 4 konnte das Druckhandwerk anhand historischer Nachbildungen des Gutenberg-Museums Mainz bestaunt werden. Wer mochte, konnte sich selbst eine Seite aus der Gutenbergbibel drucken:


Den Mittwochabend verbrachte ich dann bei meinen ehemaligen Kollegen vom Thorbecke-Verlag, die zur Happy Hour luden, bei der ich endlich einmal wieder Gelegenheit hatte, alte Bekannte wiederzusehen und ein bisschen über das Verlagsleben zu plaudern. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal für die Gastfreundschaft!


Bleibt zu sagen, dass es ein wirklich schönes Erlebnis war, auf dessen Wiederholung ich mich nächstes Jahr schon freue, dann aber mit mehr Zeit und mehr Planung ;-)

Kommentare:

  1. Bei mir/uns kamen die anderen Hallen neben 3 & 4 diesmal viel zu kurz. Das soll nächstes Jahr anders werden, dann wusel ich auch wieder bei den internationlen rum :)

    Mit der Bahn hatten wir keine Probleme. Allerdings sind wir mit einer gefahren, die nicht der DB angehört und die sind eigtl immer recht pünktlich :3

    Man merkt bei deiner Ausbeute eindeutig in welche Richtung deine Interessen gehen :D
    Und ich merke, dass ich nicht überall war *Zeit beschimpf*

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    1. Ja, die unabhängigen Bahnbetreiber sind alle gefahren, aber da gibts bei uns hier leider keine ;)

      So im Nachhinein ist mir auch aufgefallen, dass ich irgendwie die ganze Zeit nur bei den wissenschaftlichen Verlagen war, aber was will man machen als Historiker :D
      Nächstes Jahr nehme ich mir definitiv mehr Zeit, dann werde ich auch ein bisschen mehr sehen von der Messe :)

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  2. Sehr schöner Bericht zu deinem Messebesuch. Man wächst förmlich beim Besuchen der Buchmesse in Frankfurt von Jahr zu Jahr. Ich arbeite mich das nächste Jahr zum dritten Mal da durch und hoffe, dann endlich mal sagen zu können: "Ja, ich war in allen Hallen." ;)
    Viele lieben Dank für deinen netten Kommentar auf meinem Blog, welcher mich sogleich hier stöbern ließ.
    Ganz liebe Grüße
    Karin

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