Dienstag, 28. Oktober 2014

[Rezension] Pride and Prejudice and Zombies (Seth Grahame-Smith)

Gerade ist mir aufgefallen, dass ich in letzter Zeit eigentlich nur viel zu gute Bücher vorstelle hier ... mag daran liegen, dass ich von meinen lieben Freunden immer so gute Buchtipps bekomme, dass ich gar keine schlechten Bücher lesen muss. Das ist in den meisten Fällen erfreulicherweise wahr, aber ab und an verirrt sich dann doch mal ein Ausreißer auf den Lesestapel. Und so einen Fehlgriff möchte ich euch heute vorstellen.


Eigentlich klingt die Idee ja ganz lustig: Wir nehmen einen Klassiker der Weltliteratur, nämlich "Stolz und Vorurteil" von Jane Austen, und peppen das Ganze mit ordentlich Zombie-Action auf.
Aber ist diese Idee ein Erfolgsgarant?

Mitnichten, denn "Pride and Prejudice and Zombies" ist einfach nur schlecht. Da brauche ich auch nicht lange um den heißen Brei herumzureden. Was hat der Autor hier getan? Nun, er hat einfach den Originaltext von Jane Austen genommen und an diversen Stellen ein paar sinnlose Zombie-Stories eingefügt. Das Ganze hat aber weder Hand noch Fuß, und das liegt sicher nicht daran, dass es hier um halbverweste Zombies geht. Denn solch ein Buch kann eigentlich nur funktionieren, wenn es selbstironisch aufgezogen ist und sich nicht ernst nimmt. Diesen Eindruck hat man hier jedoch keineswegs. Dadurch, dass die Story größtenteils vom Original übernommen ist, wirkt es sehr ernst, und auch die neuen Passagen sind in diesem Stil gehalten, auch wenn Grahame-Smith meilenweit davon entfernt ist, Austens Ausdrucksstärke zu erreichen. Im Prinzip bekommt der Leser also genau das, was der Titel verspricht: den Roman Stolz und Vorurteil, nur eben mit Zombies. Das ist weder innovativ noch spannend, vor allem, wenn man das Original bereits kennt.

Und wäre das nicht schon schlimm genug, macht Grahame-Smith aus den Bennet-Töchtern auch noch Katana-schwingende Ninjakämpferinnen, die den Zombies mit Karatetritten zu Leibe rücken. Auch das hätte man ironisch und lustig präsentieren können, aber das tut der Autor nicht, weswegen die komplette Chose einfach nur lächerlich und langweilig wirkt.

Ich bin auch nicht wirklich weit gekommen, ehrlich gesagt, bis ich das Buch aufgegeben habe. Denn die Abläufe sind immer gleich: Es findet ein Ball statt, plötzlich tauchen Zombies auf, die Bennets verprügeln sie, fertig. Die Bennets sind unterwegs auf dem Land, plötzlich tauchen Zombies auf, die Mädchen verprügeln sie, fertig. Obwohl das komplette Land zombieverseucht ist, geht das Leben der Protagonisten wie gewohnt weiter, niemand scheint sich wirklich daran zu stören, dass die Toten umhergehen, und so ist der Plot natürlich auch der selbe wie in "Stolz und Vorurteil".

Alles in allem ein Buch, das keinen Zweck erfüllt. Wer einen Entwicklungsroman lesen will, der liest "Stolz und Vorurteil". Wer einen Zombieroman lesen will, der liest meinetwegen World War Z, Patient Zero oder etwas Ähnliches. Aber "Pride and Prejudice and Zombies" braucht kein Mensch, daher von mir nur einen Punkt und eine klare Warnung, das Buch besser links liegen zu lassen! (Außer vielleicht, man möchte einen Jane Austen-Fan ärgern ...)




Titel: Pride and Prejudice and Zombies (deutscher Titel: Stolz und Vorurteil und Zombies)
Autor: Seth Grahame-Smith (und Jane Austen)
Verlag: Quirk Books (2008)
Format: Softcover, 320 Seiten
ISBN: 978-1-59474-334-4
Preis: $12.95
Link zum Verlag: http://www.quirkbooks.com/book/pride-and-prejudice-and-zombies

Kommentare:

  1. Danke für diese schönen Worte! :) Ich habe das Buch schon so oft in den Händen gehabt und mir jedes Mal gesagt, dass das vermutlich nicht funktioniert, ich ärger mich immer nur bunt, wenn Originalvorlagen neu verwurstet werden. ^^ Irgendwann werde ich vielleicht auch mal reinlesen, aber mir scheint, meine Scheu vor dem Buch war begründet. Dabei habe ich ja eine Schwäche für Zombies! ;)

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  2. Interessant, ich habe bisher immer nur Gutes über das Buch gelesen, so von wegen gute Mischung und sehr witzig. Wenn die Zombies aber in den Roman so reingezwungen worden sind, wie du es beschrieben hast, dann klingt das echt nicht gut :-/

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  3. Och.
    Also ich finde, für allein so eine trashige Idee hättest du einen ganzen Punkt geben können.:D

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  4. Autsch. Das hört sich echt fürchterlich an. Arme Jane Austen, dass so etwas mit ihrer Idee und Welt angestellt wurde. Das ist so ähnlich aber umgekehrt wie bei Alice in Zombieland, ich fand das Buch vollkommen sinnlos. Da gab es zwar ne Menge Zombies, aber Null und absolut Null Alice in Wonderland. Außer eine Wolke, die nur so ähnlich wie ein Hase aussah und der Name der Hauptfigur. Auch sehr seltsam.

    Liebe Grüße,
    Tina

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