Samstag, 25. Oktober 2014

[Rezension] Libriomancer [Magic Ex Libris, #1] (Jim C. Hines)

Libriomancer - zu Deutsch "Buchmagier" (so auch der deutsche Titel) - bei dem Titel hat man schon eine ungefähre Vorstellung davon, was einem bei diesem Auftakt zur Reihe "Magic ex libris" (dt.: Magie aus den Büchern) erwartet: Magie und Bücher, diese beiden Dinge gehören eigentlich schon seit jeher zusammen wie Topf und Deckel - schließlich gibt es kaum einen großen Magier, der nicht auch ein Zauberbuch bei sich hätte, oder? Nun, Jim C. Hines treibt diesen Gedanken etwas weiter, denn in seiner Welt braucht man keine speziellen Zauberbücher, sondern nur ganz normale Bücher, aus denen die Libriomancer ihre magische Energie ziehen - oder besser gesagt: aus denen sie mithilfe ihrer Magie Dinge ziehen. 

http://www.penguin.com/book/libriomancer-by-jim-c-hines/9780756408176


Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, einfach in das Lieblingsbuch hineingreifen zu können, um einmal das mächtige Schwert des Protagonisten selbst zu schwingen? Oder mit dem Unsichtbarkeitsmantel des Übeltäters Unfug anzustellen? Für die Libriomancer geht dieser Traum in Erfüllung, denn sie können genau dies tun. Und Isaac ist (bzw. war, dazu später mehr) einer von ihnen, wie schon der Inhaltstext verrät:
Isaac führt ein ruhiges Leben als Bibliothekar. Inmitten staubiger Regale und Kisten sortiert er Bücher und pflegt die größte Fantasy-Abteilung der Stadt. Was niemand ahnt: Das alles ist bloß eine Tarnung. Denn Isaac ist ein Buchmagier und Mitglied eines Geheimbundes, der seit Jahrhunderten die Menschen vor übernatürlichen Gefahren beschützt. Isaac kann die Magie der Bücher nutzen, um Gegenstände aus ihnen herauszugreifen - eine Gabe, die er bald dringend benötigt, um sein Leben zu schützen. Denn jemand oder etwas beginnt, systematisch Buchmagier zu ermorden ...
Eigentlich war Isaac ebenfalls ein Libriomancer, ein Magier im Außendienst sozusagen, doch wurde er zum Bibliothekar degradiert, der nun die Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt katalogisieren darf. Genauer: Er überprüft neue Buchtitel auf potentiell gefährliche Dinge, die Magiebegabte benutzen könnten, um damit Unfug zu treiben. Eigentlich ein ruhiger Job für Isaac, bis dann eines Tages plötzlich ein Trupp Vampire buchstäblich mit der Tür ins Haus fällt und Isaacs Welt damit auf den Kopf stellt ...

Die Idee hinter "Libriomancer" ist natürlich klasse, spielt sie wie bereits gesagt ja mit dem Kindheitstraum so ziemlich jedes Buchliebhabers - der Fähigkeit, selbst in die Lieblingsstory hineingreifen und Dinge aus ihr in die reale Welt holen zu können. Dass diese Möglichkeit eine ganze Reihe von logischen und storytechnisch relevanten Fragen aufwirft, war wohl auch Hines klar - schließlich gibt es ja nichts, über das nicht schon geschrieben worden wäre, und wenn diese Dinge in der heutigen Welt existieren würden, dann wäre der Teufel los, im wahrsten Sinne des Wortes. So versucht der Autor im Laufe der Handlung immer wieder, "logische" Erklärungen dafür zu liefern, warum Normalsterbliche noch nichts von der Buchmagie mitbekommen haben. Ein großer Faktor hierfür ist die Geheimgesellschaft der Buchmagier, der "zwelf portenaere" (zwölf Torhüter), die sich der Aufgabe verschrieben hat, die Magie geheim zu halten und Schaden von der Welt abzuwenden. Wer sich ein bisschen mit deutscher Sprache auskennt, wird gemerkt haben, dass "zwelf portenaere" Mittelhochdeutsch ist, das Deutsch des Mittelalters also. Und tatsächlich - die Geheimgesellschaft geht nämlich auf Johannes Gutenberg zurück, der den Buchdruck eigentlich nur erfunden hat, um die Buchmagie benutzen zu können, und der heute nach über 500 Jahren noch als Obermagier die Fäden der Gesellschaft zieht. Ja, ihr habt richtig gelesen. Hines macht hier ein richtig großes Fass auf, und man ist schon gewillt, sich vor die Stirn zu schlagen und auszurufen "So ein Unsinn!". Und ich möchte hier eines gleich vorweg nehmen: Ja, das Buch ist kompletter Unsinn. Aber es macht - vermutlich gerade deshalb - einfach richtig Spaß.
[Besserwissermodus an, zum Lesen Text markieren: Der Vollständigkeit halber sei hier angemerkt, dass Gutenberg (aller Wahrscheinlichkeit nach) weder Mittel- noch Hochdeutsch gesprochen hat, es dürfte viel eher ein rheinhessischer Dialekt des Frühneudeutschen gewesen sein, aber diesen Fehler wollen wir dem Autoren mal nicht vorhalten ;-) Besserwissermodus aus]

Die Story ist absurd und es passieren andauernd total abgefahrene Dinge. So muss Isaac gegen alle möglichen Monster kämpfen - natürlich, wer unvorsichtig ist, während er in einen Vampirroman greift, und dabei gebissen wird, der wird natürlich selbst zum Vampir. Und welche Vampirromane sind im Moment besonders angesagt? Genau. Und so muss es nicht wundern, dass die sogenannten "Sparkler" - glitzernde Vampire, ja, der Groschen ist nun sicher gefallen -, die sich unbemerkt auf unseren Straßen herumtreiben, auch ein Problem für Isaac darstellen. Doch der weiß sich zu wehren, und zwar mit Lichtschwert, Lasergewehren, Heiltränken und allen möglichen anderen ausgeflippten Dingen, die die Literatur für ihn bereit hält.

Ihr merkt schon, man darf das Buch nicht ernst nehmen, und das sollte man auch nicht. Es tun sich dauernd logische Lücken auf, und auch die Erklärungsversuche des Autors helfen nicht wirklich, diese zu schließen. Sobald man anfängt, darüber nachzudenken, fällt das gesamte von Hines beschriebene Magiesystem in sich zusammen. Doch ich denke, dies ist ein Buch, bei dem man getrost auf Logik verzichten sollte, denn dann nimmt es einen mit auf eine Achterbahnfahrt durch die verrückte Welt der Literatur, komplett mit zahllosen Anspielungen auf diverse Bücher (im Anhang gibt es sogar eine Bibliographie zu den verwendeten Titeln!). Ein verrückter Einfall jagt den nächsten, wenn Isaac die Macht der Bücher benutzt, um das Rätsel um den Angriff von Unbekannten auf die Libriomancer zu lösen und dabei gekonnt alle möglichen Hilfsmittel aus den verschiedensten Büchern der Literaturgeschichte benutzt.

Mein Fazit: Wer gut durchdachte und logisch in sich stimmige Welten bevorzugt, der sollte die Finger von "Libriomancer" lassen. Wer einfach nur gut unterhalten werden möchte und Geschichten liebt, die Anspielungen auf andere Bücher beinhalten, der wird seine Freude an Hines' Roman haben. Nachdem ich selbst mich auf diese Prämisse eingelassen habe, habe ich das Buch blitzschnell durchgelesen, es war von vorne bis hinten spannend, lustig und kurzweilig geschrieben.
Daher vergebe ich auch 4 Punkte - unter dem Vorbehalt, dass das Buch totaler Unfug ist. Aber eben sehr unterhaltsamer Unfug! Die nächsten Bände der Reihe werde ich mir auf jeden Fall auch noch anschauen.




Titel: Libriomancer (Deutscher Titel: Die Buchmagier) [Reihe: Magic Ex Libris, #1]
Autor: Jim C. Hines
Verlag: DAW Books (2013, Erstausgabe 2012)
Format: Mass Market Paperback, 348 Seiten
ISBN: 978-0-7564-0817-6
Preis: $ 7.99
Link zum Verlag: http://www.penguin.com/book/libriomancer-by-jim-c-hines/9780756408176

Kommentare:

  1. Das klingt interessant und lustig. Ist gleich mal auf meine Wunschliste gewandert. :-)

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  2. Ich finde die Idee irgendwie total interessant. Das Buch habe ich gleich auf meine Wunschliste gepackt :)

    Deinen Blog habe ich gerade zufällig über einen anderen Blog entdeckt. Du hast nun eine Leserin mehr :) Natürlich würde ich mich auch sehr freuen, wenn du einmal bei mir vorbeischaust.

    Liebe Grüße,
    Lady Moonlight von
    http://www.hoerbuchecke.eu/

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