Freitag, 3. Oktober 2014

[Rezension] Der Monstrumologe (Rick Yancey)

Auf "Der Monstrumologe" von Rick Yancey (Originaltitel: "The Monstrumologist", erster Teil einer [bisher?] Trilogie) bin ich auf eine recht ungewöhnliche Weise aufmerksam geworden. Gerade hatte ich die Kurzgeschichte einer Freundin gelesen, in der es um einen Professor geht, den man wohl auch als Monstrumologen bezeichnen könnte, da stolperte ich wenig später über Rick Yanceys Roman (eigentlich über den dritten Teil der Reihe "Der Monstrumologe und die Insel des Blutes"), der ein ganz ähnliches Setting versprach und dessen Inhaltstext mich sehr an die Kurzgeschichte erinnerte. Ein lustiger Zufall, den ich als Wink des Schicksals nahm und das Buch auf die Leseliste setzte.

http://www.luebbe.de/Buecher/SF-Fantasy/Details/Id/978-3-7857-6040-6

Entsprechend war auch meine Erwartung an den Roman, ich versprach mir, ähnlich wie bei der Kurzgeschichte, eine im viktorianischen Setting angesiedelte Begegnung mit allerhand phantastischen Kreaturen, einem verrückten Professor und einigen verschroben-schönen Einfällen. Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich wurde hier leider nur teilweise fündig. Aber macht euch selbst ein Bild!

Der Klappentext gibt bereits einen Vorgeschmack auf die Geschichte:
1888: Der Junge Will Henry ist ein Waisenkind und arbeitet als Assistent des kauzigen Dr. Warthrop. Der gute Doktor hat sich auf ein ganz besonderes Gebiet spezialisiert: Er ist Monstrumologe, das heißt, er studiert Monster und macht Jagd auf sie. Eines Abends kommt ein Grabräuber zu Will und dem Doktor ins Labor. Er hat einen schrecklichen Fund gemacht: eine Leiche, in die sich ein Monster verbissen hat. Der Doktor weiß, diese Monsterart ist äußerst gefährlich, da sie Menschen tötet. Und die einzigen, die nun zwischen diesen Bestien und den Menschen stehen, sind der Doktor und der kleine Will …
Im Prinzip ist damit schon vieles gesagt, doch leider klingt der Vorschautext allgemeiner, als es das Buch dann in Wirklichkeit ist. Denn im Grunde geht es in "Der Monstrumologe" nicht um Monster im Plural, sondern lediglich um eine Monsterart, die Anthropophagen, humanoide Geschöpfe ohne Kopf, die Maul und Augen in der Brust tragen. Entsprechend war ich auch etwas enttäuscht, dass sich der Roman nicht wirklich mit der Monstrumologie beschäftigt, es kaum Anspielungen auf mythische Wesen etc. gibt. Hier hätte Yancey eindeutig mehr herausholen und den Leser in eine phantastische Welt entführen können. So aber hätte das Buch auch "Jagd auf die Anthropophagen" betitelt werden können, denn sie sind eigentlich das einzig Monsterhafte, was im Laufe der Handlung vorkommt. Sicherlich geht es in den folgenden Bänden der Reihe auch um andere Monster, aber zumindest hier wird kaum beschrieben, was ein Monstrumologe eigentlich macht, mit was für Kreaturen er sonst so zu tun hat und wie man sich das Handwerk generell vorzustellen hat – leider viel verschenktes Potential.

Die Geschichte an sich ist eigentlich schön geschrieben, erzählt wird aus der Perspektive des kleinen Will Henry, der seine Erlebnisse in einem Tagebuch festgehalten hat, welches zu Beginn des Buches gefunden und gelesen wird. Anzumerken sei, dass Will Henry zur Zeit der Handlung gerade einmal 12 Jahre alt ist, was mitunter recht krass anmutet im Hinblick auf die Dinge, die er an der Seite Dr. Warthrops erlebt. Und damit sind wir auch schon bei der zweiten Sache, die gesagt werden muss: Rick Yancey schreibt hier wirklich sehr explizit. Das fängt bei der Sektion eines Monsters an, die sehr detailreich beschrieben wird, und geht über viele sehr blutige und gewalttätige Stellen so weiter – für schwache Mägen ist der Roman daher sicher nichts, obwohl er eigentlich als Jugendroman beworben wird.

Alles in allem war "Der Monstrumologe" schön zu lesen und auch trotz der über 400 Seiten recht kurzweilig, die Handlung, die sich nur auf einen Erzählstrang konzentriert (von Einleitung und Schluss abgesehen, die in der heutigen Zeit spielen), schreitet schnell und ohne große Hänger voran und es bleibt eigentlich immer spannend, während Dr. Warthrop und Will Henry nicht nur gegen die Monster kämpfen, sondern auch deren Ursprung ergründen müssen. Es gibt viel Action und Blut, wobei die Charakterentwicklung größtenteils auf der Strecke bleibt, aber dies ist vermutlich gewollt, denn "Der Monstrumologe" soll wohl in erster Linie ein kurzweiliges, gruseliges Horrospektakel sein, und das schafft das Buch auch.

Daher gebe ich 3,5 Sterne, auch für die liebevolle Aufmachung des Buches, das ein paar ganzseitige Schwarz/Weißabbildungen enthält und dessen Seiten immer mal wieder am Rande von diversen schaurigen Werkzeugen geschmückt sind, die man vermutlich braucht, wenn man ein Monster sezieren will. Abzüge gibt es, wie bereits erwähnt, für die recht eingleisige Story und das nicht ausgeschöpfte Potential des Settings.
Ich denke mal, dass ich mir die Folgebände auch irgendwann einmal zu Gemüte führen werde.






Titel: "Der Monstrumologe" (Originaltitel: "The Monstrumologist")
Autor: Rick Yancey
Verlag: Bastei Lübbe (2012, Erstauflage 2009)
Format: Paperback, 411 Seiten
ISBN: 978-3-7857-6040-6
Preis: € 8,99
Link zum Verlag: http://www.luebbe.de/Buecher/SF-Fantasy/Details/Id/978-3-7857-6040-6

Kommentare:

  1. Danke für die interessante Rezi. Ich habe den "Monstrumologen" und auch die "Insel des Blutes" schon seit einiger Zeit auf meinem SuB liegen und denke, ich werde mich da mal dran machen müssen. Mir hat vor allem auch das Cover der Bücher sehr gut gefallen, mit dem schwarz-weiß, das hat irgendwie was.

    Viele Grüße
    Jay (Bücher wie Sterne)

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  2. Hallo :)

    Da sich jeder der vier Bände mit jeweils einem bestimmten "Monster" beschäftigt, passt der Titel meiner Meinung nach schon sehr gut. Das ist ja nur der erste Band von vieren. Mir gefällt die Reihe wirklich sehr gut, besonders die enge Bindung zwischen Will und dem Doktor geht eine interessante Entwicklung im Laufe der Zeit durch. Wenn dir das Buch an sich gefiel, bleib ruhig dran, es lohnt sich. (Auch wenn Band zwei definitiv der schwächste bisher war, er hat so seine Längen).

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