Freitag, 12. September 2014

[Rezension] Die Mechanik des Herzens (Mathias Malzieu)

Vor kurzem bin ich in der Buchhandlung wieder über einen Titel gestolpert, den ich dort schon öfter in den Fingern hatte. Diesmal konnte ich nicht widerstehen und nahm "Die Mechanik des Herzens" von Mathias Malzieu mit nach Hause.



Schon das Cover macht einen neugierig, denn es erinnert mit seinen stilisiert blassen Figuren, die in der Dunkelheit tanzen, doch sehr stark an die Werke von Tim Burton, und auch der Klappentext liest sich entsprechend:
Jack ist ein besonderer Junge. Seit seiner Geburt hat er ein mechanisches Herz in Form einer Kuckucksuhr, die jeden Tag neu aufgezogen werden muss. Nur eines muss er dabei bedenken: Er darf sich niemals verlieben, denn das würde sein zartes Uhrwerk nicht aushalten.
Die Geschichte nimmt uns mit in das England des 19. Jahrhunderts, genauer zum 16. April 1874, zum "kältesten Tag aller Zeiten", an dem nicht nur die Leute mitten auf der Straße erfrieren, sondern auch unser Held, der kleine Jack, zur Welt kommt. Doch sein Herz ist zu Eis erstarrt, weshalb die verschrobene Hebamme Madelaine ihm eine Kuckucksuhr zur Stärkung einsetzt.
Madelaine kümmert sich fortan liebevoll um den kleinen Jack, doch trotz aller Fürsorge muss er stets auf der Hut sein, denn starke Gefühle könnten sein mechanisches Herz in Gefahr bringen. Und so nimmt das Unglück seinen Lauf, als Jack eines Tages mit in die Stadt darf und sich dort Hals über Kopf verliebt ...

"Die Mechanik des Herzens" ist ein liebevoll geschriebener Roman mit einer originellen Story und seltsamen, aber überaus liebenswerten Charakteren. Die Geschichte ist sehr kurzweilig und entführt uns auf eine Reise, im Laufe derer Jack die Liebe entdeckt und viel über diese, über sich und sein mechanisches Herz herausfindet. Die Sprache des Buches ist voller Zauber, der dabei hilft, sich in der freilich absurden, doch schönen Geschichte zu verlieren. Ein sehr kurzweiliges Lesevergnügen, das sicher auch mit dem geringen Umfang des Buches geschuldet ist.
Zu bemängeln habe ich nur zwei Dinge, zum einen das Ende, das ich hier nicht verraten möchte, das meiner Meinung nach aber sehr abrupt kam und ein wenig lieblos wirkt, fast als wollte der Autor hier und jetzt unbedingt zum Schluss kommen. Zweitens siedelt Malzieu seine Geschichte zwar am Ende des 19. Jahrhunderts an, vermutlich weil eine Kuckucksuhr zu dieser noch mechanischen Zeit "realistischer" wirkt, jedoch bleibt die Wahl des Settings im Verlauf der Geschichte größtenteils konsequenzenlos, ja der Autor wirft sogar (ich vermute unbewusst) immer wieder Anachronismen ein, die das Gefühl aufkommen lassen, als würde die Geschichte aus der heutigen Zeit erzählt werden (z.B. erwähnt er an einer Stelle die Tour de France, die erst rund 30 Jahre später ins Leben gerufen werden wird). Auch wenn das Jammern auf hohem Niveau ist, hat es mich beim Lesen doch etwas gestört und ich hätte mir gewünscht, dass die Geschichte etwas stärker in ihrer Zeit verankert wäre. Abgesehen von der ab und an als Transportmittel gebrauchten Kutsche und einigen wenigen anderen Dingen, könnte die Geschichte genauso zu einer späteren Zeit spielen, hier wäre etwas mehr Liebe zum Detail schön gewesen.
Alles in allem aber eine schön verträumte und kurzweilige Geschichte, die einen berührt und vielleicht sogar an eigene Erlebnisse des Verliebtseins erinnert. Daher gibt es 4 von 5 Punkten und aufgrund der schönen Idee eine klare Leseempfehlung von mir!



Titel: Die Mechanik des Herzens
Originaltitel (Französisch): La Mécanique du Coeur
Autor: Mathias Malzieu (übersetzt von Sonja Finck)
Verlag: btb (2014, Erstauflage 2007)
Format: Taschenbuch, Broschur, 192 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-74780-1
Preis: € 8,99

Kommentare:

  1. Hallo (:
    Das ist aber ein wunderschönes Cover & wenn es dazu auch noch so eine positive Rezi gibt dann muss ich das Buch wohl auf meine Wunschliste setzen :))

    Liebe Grüße,
    Jasi (:

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    1. Dann hoffe ich mal, dass es sich für dich lohnt, aber ich denke schon :)
      Würde mich freuen, wenn du später noch mal vorbeischaust und erzählst, wie du es fandest!

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