Sonntag, 21. September 2014

[Rezension] Die Burg der Könige (Oliver Pötzsch)

Bevor ich mit der Rezension zu „Die Burg der Könige“ beginne, noch ein kurzes Wort zur Vorgeschichte: Schon vor einiger Zeit hat mir eine gute Freundin, die um meine Begeisterung für Historische Romane weiß, empfohlen, doch einmal „Die Henkerstochter“ von Oliver Pötzsch zu lesen, den ich bis dahin nur dem Namen nach kannte. Eigentlich hatte ich das zunächst auch vor, doch dann hatte ich die Chance, an eine günstige Ausgabe von Pötzschs neuestem Roman „Die Burg der Könige“ zu kommen, und dachte mir, dass ich doch auch ebenso gut damit anfangen könnte, um den Autor kennenzulernen. Im Nachhinein vielleicht eine schlechte Entscheidung, doch dazu später mehr. Nun erst einmal zur eigentlichen Rezension.

http://www.ullsteinbuchverlage.de/nc/buch/details/die-burg-der-koenige-9783471350836.html?cHash=a503320f00589a50d8b1649fd99fe76f


Schon als ich das Buch zum ersten Mal in der Hand hatte, war ich erstaunt, was es für ein Wälzer war: Fast 1000 Seiten zählt das Werk, also nicht gerade ein Leichtgewicht. Nicht verwunderlich vielleicht, bedenkt man, dass sich die Geschichte um nicht weniger als das Schicksal des Deutschen Reiches dreht, wie schon der Inhaltstext des Verlags verrät:
1524. Die deutschen Lande werden von den Bauernkriegen zerrissen. Dem Adel droht der Verlust der Macht, dem Volk Hunger und Tod. In den Wirren dieser Zeit suchen vier Menschen ihre Bestimmung: Agnes, die Burgherrin der einst mächtigen Stauferburg Trifels, will ihr Erbe bewahren und die Rätsel der Burg lösen. Mathis, Sohn eines Burgschmieds, träumt von der Gleichheit der Menschen. Er schließt sich aufständischen Bauern an und kämpft für seine Ideale. König Franz von Frankreich strebt nach der Kaiserkrone. Um sie zu bekommen, muss er den Schatz der Staufer finden. Karl V., gewählter deutscher König und selbst ernannter Kaiser des Reiches, sieht seine Macht bedroht. Vier Menschen, vier Leben. Und ein Ort, der den Schlüssel zu ihrem Schicksal birgt: Der Trifels. Hort vieler Geheimnisse. Legendäre Burg der Staufer.
Die Erwartungen waren also entsprechend hoch, als ich mit dem Buch begann. Die Geschichte dreht sich in erster Linie um Agnes, Adlige und Erbin der Burg Trifels, und ihren Jugendfreund Mathis, der ein einfacher Schmied ist. Eine unglückliche Liebesgeschichte ist also vorprogrammiert. Agnes kommt „zufällig“ in den Besitz eines alten Siegelrings und wird kurz darauf von fiebrigen prophetischen Träumen geplagt, die sich um den Trifels drehen. Zusammen mit Mathis versucht sie im Verlauf der Geschichte, das Rätsel um den Trifels und ihre Träume zu lösen. Dies passiert vor dem Hintergrund der Bauernkriege und den politischen Auseinandersetzungen des Habsburger Kaisers Karl V. mit seinem französischen Widersacher Franz I.

Eines gleich vorweg: Pötzsch hat für seinen Roman eine sehr gute Recherchearbeit geleistet. Die Schauplätze und Reisewege sind wunderbar ausgearbeitet und geschildert, bis hin zu einem Reisetipp im Anhang des Buches, mit dem man die Schauplätze der Geschichte selbst besuchen und auf den Spuren der Protagonisten wandeln kann.

Doch leider erschöpft sich damit das Positive an dem Roman auch schon fast. Denn Pötzsch schafft es nicht, seine Figuren glaubwürdig zu beschreiben und handeln zu lassen. So stolpern sie über die kompletten fast 1000 Seiten von einem Unglück ins nächste, ohne groß aus ihren Fehlern zu lernen, dennoch kommen sie immer wieder mit (mehr oder weniger) heiler Haut davon, was mit der Zeit doch etwas unglaubwürdig erscheint, zumal die Charaktere sich auch nicht sonderlich bewegt von den Unglücksschlägen zeigen und diese einfach hinnehmen. So anschaulich die Orte, Burgen und Plätze im Roman beschrieben sind, so farblos bleiben leider die Charaktere und ihre Dialoge, besonders Agnes, die sich gegenüber Mathis immer wieder übertrieben zickig verhält, was wohl dazu dienen soll, die Liebesgeschichte zu untermalen, auf Dauer aber eher nervig wirkt. Gefühle und Emotionen kommen nicht wirklich herüber, was dazu führt, dass man sich nur schwer mit den Figuren identifizieren kann. Generell sind die Charaktere etwas platt beschrieben und Stereotyp. Agnes ist das Abziehbild einer gebildeten jungen Frau, die sich nicht mit ihrem Platz in der mittelalterlichen Welt abfinden will und lieber Hosen denn Kleider trägt. Mathis ist der naive Weltverbesserer, dem alles gelingt, was er anpackt. Obwohl er nur Sohn eines Schmiedes ist, bringt er sich selbst nur mithilfe von Büchern bei, Kanonen und Schießpulver herzustellen, und wird somit gleich ein gefragter Geschützmeister. Wer sich einmal ein mittelalterliches Feuerwerkbuch angeschaut hat, der weiß, dass das ziemlich weit an den Haaren herbei gezogen ist, besonders was das Schmieden von Feuerwaffen angeht. Ohne Lehrmeister ist es ein recht großes Wunder, dass Mathis sich nicht selbst in die Luft sprengt mit seinen selbstgebauten Waffen. Die Widersacher der Helden sind nicht weniger stereotyp beschrieben, vor allem der „böse schwarze Mann“, der mordend durchs Reich zieht, offenbar mit unbegrenzten Mitteln ausgestattet ist, überall seinen Willen bekommt und jeden Kampf gewinnt. Wirklich glaubwürdig oder spannend ist dies meiner Meinung nach nicht.

Die Bauernkriege, die den Hintergrund für die Geschichte bilden, werden hingegen sehr anschaulich und teils auch sehr kompromisslos beschrieben – auch hier wurde wieder gut recherchiert und man merkt Pötzsch die große Liebe zum Detail an. Gleiches gilt für die Passagen, die sich mit der Auseinandersetzung der beiden Herrscher Franz und Karl beschäftigen. Leider bleiben diese für die Handlung größtenteils ohne Konsequenz. Wer sich für die deutsche Geschichte interessiert, kann hier aber auch einiges Interessantes mitnehmen.

Die Geschichte selbst erscheint ein wenig märchenhaft, besonders auch aufgrund von Agnes‘ Visionen, die dem Ganzen doch einen mythischen Anstrich geben. Sicher nicht jedermanns Sache in einem Historischen Roman. Mich hätte es weniger gestört, doch bleibt die ganze Story leider etwas unglaubwürdig, vor allem auch das Ende. Und überdies zieht sie sich doch sehr lange hin und man fragt sich, warum es unbedingt so viele Seiten sein mussten. Immer wieder passieren den Helden Dinge, die die Handlung unnötig in die Länge ziehen und nicht unbedingt hätten sein müssen, so dass der eigentliche Faden öfter mal in Vergessenheit gerät und sich kaum Spannung aufbauen kann, zumal viele Wendungen vorhersagbar sind.

Noch ein Wort zur Aufmachung des Buches: Hier war ich wirklich positiv überrascht, was für einen Aufwand der Verlag investiert hat. Ein schönes geprägtes Cover ist heute ja schon fast Standard, aber auch das komplette Buch ist durch farbige Akzente verschönert. Die Seitenzahlen sind durchgehend mit roten Verzierungen versehen und die Kapitelanfänge sind durch große Initialen abgehoben, die an eine mittelalterliche Handschrift erinnern. Für das Äußere des Buchs würde ich glatt 5 Punkte vergeben, doch geht es ja in erster Linie um den Inhalt, und da sieht es leider weniger rosig aus.

Alles in allem verbleibe ich daher mit 2,5 Punkten für „Die Burg der Könige“. Das Buch war ok, ich bereue nicht, es gelesen zu haben, aber es war einfach viel zu lang und bot wenig Spannendes. Dennoch weiß Pötzsch offensichtlich gut mit den Handwerkzeugen für einen Historischen Roman umzugehen und ich werde seiner „Henkerstochter“-Reihe auch eine Chance geben, zumal ich schon mehrfach gelesen habe, dass diese bedeutend besser sei als „Die Burg der Könige“.




Titel: Die Burg der Könige
Autor: Oliver Pötzsch
Verlag: List (2013)
Format: Hardcover, gebunden mit Schutzumschlag, 944 Seiten
ISBN: 978-3471350836

Kommentare:

  1. Wirklich schade, dass es dir nicht besser gefallen hat :-/ Gerade wenn ein Buch 1000 Seiten umfasst, ist es umso blöder wenn es nicht vollends fesseln kann. Mit einem Unglücksfall nach dem anderen kam mir letztlich in "Der König der purpurnen Stadt" auch so vor. Besonders genervt hatte mich daran, dass immer dieselben Gestalten hinter den "Unglücksfällen" steckten.

    Wünsch dir viel Erfolg mit deinem nächsten historischen Buch ;P

    Liebe Grüße,
    Tina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, da bewahrheitet sich der Spruch "In der Kürze liegt die Würze" ;)
      Jetzt steht aber erst mal kein Historischer Roman mehr an und auch kein so großer Wälzer, ich bin also guter Dinge, dass das nächste Buch etwas kurzweiliger wird :)

      Löschen
  2. Hey!

    Na da musste ich doch gleich vorbeischauen, wie dir das Buch gefallen hat!
    Schade, dass es dich nicht so begeistern konnte, mir ist vieles von dem, was du aufzählst, gar nicht so aufgefallen - das spricht natürlich für mich für das Buch *g*
    Wenn ich das so bei dir lese hören sich die Figuren wirklich sehr "einfach" an, aber ich habs beim Lesen zum Glück nicht so empfunden :)

    Der "magische" Anteil war auch etwas gewöhnungsbedürftig für mich, allerdings auch mal was Neues und irgendwie hats für mich zur Geschichte gepasst.

    Trotzdem würde ich dir raten, zumindest mal den ersten Band der Henkerstochter zu lesen; da kann man in den Figuren zwar auch ein Muster erkennen, aber sie sind einem einfach so sympathisch, dass es einfach Spaß macht :D (mir zumindest ^^ und sie sind auch nicht so dicke Wälzer)

    Ich werd mich dann mal noch ein bisschen auf deinem Blog umschauen und folge dir auch mal :)

    Liebste Grüße, Aleshanee

    AntwortenLöschen
  3. Hallo Aleshanee,

    danke schon mal für den Besuch und den Kommentar :)
    Wie schon bei dir drüben gesagt, es hat ja jeder so seinen eigenen Geschmack, daher wundert es mich weniger, dass die Meinungen auseinander gehen, aber genau dafür braucht man uns Blogger ja, damit sich jeder selbst ein Bild machen kann :)
    Bin jedenfalls schon gespannt auf die Henkerstocher, die steht zwar schon lange auf der Leseliste, aber ich glaube, ich muss sie mir mal in den Schrank stellen, damit das auch endlich mal was wird ;)

    Liebe Grüße!

    AntwortenLöschen