Freitag, 14. Februar 2014

Der Glaube versetzt Berge...

... aber der Zweifel erklettert sie.

Vor einiger Zeit fiel mir in der Buchhandlung ein Werk mit dem provokativen Titel „Warum ich kein Christ bin“ in die Hände. Normalerweise hätte ich dem wohl keine weitere Beachtung geschenkt, gibt es doch, gerade in letzter Zeit, immer mehr Autoren, die auf der anti-religiösen Welle mitreiten, was zu Zeiten von kirchlichen Mißbrauchsskandalen und „Protz-Bischöfen“ zugegebenermaßen auch kein großes Wunder ist. Doch der Name des Autors dieses Buches kam mir irgendwie bekannt vor – und tatsächlich, Kurt Flasch ist mir schon im Laufe meines Studiums begegnet, als ich mich mit seinen Arbeiten zum Begriff der Willensfreiheit im Mittelalter (u.a. bei Thomas von Aquin, Rabanus Maurus und Augustinus) beschäftigt hatte. Ein bekannter Philosophiehistoriker von renommiertem Ruf also, der sich mit der Frage nach dem Christsein beschäftigt? Das klang dann doch interessant.



Und in der Tat war es eine interessante und lehrreiche Lesereise durch die Geschichte des christlichen Glaubens und Flaschs Auseinandersetzung mit den kirchlichen Dogmen. Hierbei geht Flasch, 73, aufgewachsen in einer katholischen Familie, sehr gezielt vor, weder holt er aus zu einem Angriff auf die Religionen an sich, noch verliert er sich darin, der Kirche ihre (jüngsten) Verfehlungen vorzuwerfen – er strebt keine (Anti-) Missionierung an. Er beschäftigt sich allein mit der Religion, die ihm selbst gut bekannt ist, dem Christentum, und hier vor allem der katholischen Konfession. Als Philosophiehistoriker ist Flasch bestens vertraut mit den großen Kirchenlehrern der Antike und des Mittelalters, und so beschäftigt er sich in erster Linie mit der Geschichte der Bibelauslegung und der Kirchenlehren, die er immer wieder kontrastierend der historisch-kritischen Untersuchung der eigentlichen Bibeltexte gegenüberstellt. Neben dieser wissenschaftlichen Betrachtung liefert er stets seine persönliche Meinung zu den einzelnen Themen und erklärt, warum er in Anbetracht dessen kein Christ sein möchte beziehungsweise kann. Denn es geht Flasch, wie gesagt, nicht um eine generelle Kirchenkritik, sondern um seine Gründe, warum der christliche Glauben ihm nichts bieten kann.
Auch wenn Flasch hier und da leider immer wieder einen recht belehrenden und teils vielleicht auch spöttischen Ton anschlägt, bleibt er doch im Grunde sachlich und bringt sehr gute Argumente und Sichtweisen auf die historische Beschäftigung mit den Urtexten des Christentums. Natürlich ist es immer ein zweischneidiges Schwert, mit streng wissenschaftlicher Fragestellung an Glaubensinhalte heranzugehen, doch muss sich eine moderne Religion des aufgeklärten Menschen dies meiner Meinung nach gefallen lassen, will sie nicht an Glaubwürdigkeit verlieren und den Dialog verweigern. Im Übrigen nimmt Flasch ausdrücklich Abstand davon, sich als Atheisten bezeichnen zu lassen. Am ehesten würde er sich noch als Agnostiker einordnen lassen, dies jedoch auch nur unter Vorbehalt.
Flaschs Herangehensweise bringt eine interessante neue Sicht auf die Dinge und verkneift sich, in einer Abrechnung mit der Kirche auszuarten, er sagt nicht, warum niemand Christ sein sollte, sondern legt lediglich seine persönlichen Gründe dafür da, weshalb das Buch nicht nur für „Ungläubige“ interessant ist, sondern (und vielleicht auch gerade) auch für Gläubige, die sich wissenschaftlich-historisch mit der Geschichte ihres Glaubens auseinandersetzen möchten.

Link:
http://www.chbeck.de/Flasch-Christ/productview.aspx?product=12214652

1 Kommentar:

  1. Kurt Flasch ist mir das erste Mal im Zusammenhang mit seiner Neuübersetzung von Dantes Divina Commedia begegnet.
    In dieser Sparte habe ich bisher nur Richard Dawkins "Gotteswahn" gelesen, welches zwar sehr amüsant zu lesen ist und viel Wahrheit enthält, oft aber auch recht polemisch und recht schlecht recherchiert ist.

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