Freitag, 4. Oktober 2013

Wer fechten will, der sall haben eyn hertz alsz eyn lewe

Um den Einstand in mein Blogger-Dasein gebührend zu zelebrieren, hier zur Eröffnung ein paar Gedanken von mir zur historischen Fechtkunst und ihrem Wert für uns im heutigen Leben.

Was uns das Historische Fechten über das Leben lehren kann.
Das Fechten nach historischen Quellen zeigt uns in erster Linie, wie wir mit Konflikten umgehen können. Nein, das bedeutet nicht mit einer Waffe. Vielmehr liegt einem Fechtduell das gleiche Prinzip zugrunde wie vielen zwischenmenschlichen Konflikten und Problemen, die uns im Alltag begegnen können: Wir müssen uns unserem Gegner stellen und dürfen uns nicht einschüchtern lassen, egal wie groß, schnell oder stark er auch sein mag. Der Körper ist nur Mittel zum Zweck, das Duell wird zuallererst im Kopf entschieden. Lass dich nicht verunsichern. Nimm dir ein Stück vor und führe es aus, ohne dich von deinem Gegner beeindrucken zu lassen. Behalte die Initiative. Der Fechter nennt es das „Vor“: Sei deinem Gegner stets einen Schritt voraus; agiere, anstatt zu reagieren. Bringe deinen Gegner dazu, dir diejenige Blöße zu offenbaren, die du ausnutzen willst. Denn wenn du darauf wartest, welche Blöße er dir von sich aus anbietet, dann wirst du stets nur reagieren. Und in einem Gefecht, das in Sekundenbruchteilen entschieden wird, genügt das einfach nicht.

Auf das Leben übertragen bedeutet dies, dass wir unseren Problemen und Ängsten gegenübertreten müssen, denn auch diese Kämpfe finden zunächst (und manchmal auch ausschließlich) im Kopf statt. Und auch bei diesen müssen wir die Initiative behalten, wir dürfen nicht ins „Nach“ kommen, so dass wir anfangen zu reagieren, wo wir eigentlich agieren sollten. Wir müssen uns eine Taktik zurechtlegen und unsere Probleme so angehen, dass wir ihnen mit unseren Stärken, zu unseren Regeln begegnen können. Konzentriere dich auf das, was du dir zu tun vornimmst, und lass dich nicht von deinem Weg abbringen. Denn bleiben wir im Leben immer passiv, so werden wir überrumpelt, wir kommen ins „Nach“ und müssen nach den Bedingungen anderer handeln, Blößen dort suchen, wo vielleicht gar keine sind.
Die Fechtkunst lehrt uns, dort stark zu sein, wo der Gegner schwach ist, aber eben auch, schwach zu sein, wenn der Gegner stark ist. Denn Stärke mit Stärke zu beantworten, Gewalt mit Gewalt, das ist nicht immer, ja nicht einmal oft ratsam. Noch nicht einmal in einem Kampf mit dem Schwert, und das kann uns viel für das Leben lehren. Sei dort stark, wo du deine Stärke nutzen kannst. Ergreife Chancen, wo sie sich bieten, und nutze deine Fähigkeiten dort, wo sie am meisten bewirken können. Aber auch: Mache deine Schwächen zu deinen Stärken. Begegne Gewalt nicht mit Gegengewalt, sondern lerne im rechten Moment nachzugeben und zu wissen, wann Schwäche gefordert ist.
Und zu guter Letzt lehrt uns das Fechten, verlieren zu können. Denn es ist keine Schande, einem überlegenen Gegner zu unterliegen oder einen Fehler zu machen, der einen den Sieg kostet, solange man nach dem Kampf dem Gegner aufrichtig zu seinem Sieg gratulieren und aus der eigenen Niederlage, den eigenen Fehlern lernen kann. Eine hart erkämpfte Niederlage in einem guten und fairen Kampf kann viel befriedigender und vor allem lehrreicher sein als ein schneller und leichter Sieg. Ein guter Kampf, das ist ein Kampf, aus dem ich auch als Unterlegener hervorgehen und dennoch meinen Gegner danach herzlich umarmen und ihm die Hand auf ein schönes Gefecht geben kann. Auch dies ist eine Lektion, die man für das Leben mitnehmen kann: Man muss nicht immer gewinnen, sei dies im Sport, in einer Diskussion, im Spiel oder auch in der Liebe. Ein guter Verlierer sein zu können, ist manchmal mehr wert als tausend Siege. Fehler machen wir, um aus ihnen zu lernen, und auch aus einer Niederlage kann man am Ende als Sieger hervorgehen, wenn man an ihr wächst und sie sportlich nimmt. Siege, wo es möglich ist, und lerne aus deinen Niederlagen, wo es nötig ist. Und behalte stets in Erinnerung, dass es manchmal auch einfach nur auf den Kampf ankommt, nicht auf den Ausgang.

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